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Über die Anfänge des Denkens − Kognition und Siedlung

Soziologie der Steinzeit – von der Höhlenmalerei zum Göbekli Tepe

Lars Hennings

Diese Studie sammelt Thesen für eine interdisziplinäre Forschung der Soziologie als Leitwissenschaft zur Erkundung der Steinzeit. Nach Ankunft des Homo sapiens von Afrika nach Westeuropa beginnt nach dessen biologischer Stabilisierung seine weitere Formung als sozialer, sich selbst verändernder Prozess. Die Artefakte zeigen zu Beginn einen sehr schlichten Typus, der sich eben erst von Homo erectus und neanderthalensis entfernt. Die humanen Veränderungen folgen nicht mehr der Darwinschen Zuchtwahl. Bald entstehen, bei wildbeuterischer Lebensweise, feste Siedlungen, die die Sozialität ausweiten, eine Sprech-Sprache fördern und mit den Anfängen des Denkens eine frühe traditionale Logik ausbilden, die über Sumer, Griechenland ins europäische Denken führt.

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Realer Konstruktivismus

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Mit einem realen Konstruktivismus – der einem ideellsymbolischen Konstruktivismus deutlich entgegensteht – wird seit Piaget angenommen, Säuglinge müssen nach ihrer Geburt sich die neue, nun für sie viel differenziertere Umwelt aktiv in ihrem Geist konstruieren, um sie verstehen zu lernen, sich in ihr über tierisches Verhalten hinaus bewegen zu können. Konstruieren meint nicht einfach so etwas wie spiegeln, es ist ein reflexiver Arbeitsprozess, der historisch immer nachdrücklicher bewusst gestaltet wird. Dabei geht es – mit besonderer Betonung gesagt – um einen empirischen Zugriff auf die Welt als Aneignung, den die Kinder unbewusst leisten müssen, um in ihrer frühen Zeit vor allem durch Imitieren von Bezugspersonen sich Handlungsschemata erwerben zu können. (Piaget/ Inhelder; Tomasello, 2006; Bischof-Köhler; Dux, 2017).

Die kindliche Fähigkeit des Gehirns analog in die Geschichtswissenschaft zu übertragen, macht sichtbar, wie in der Entwicklung der Gattung Homo nur das zur Praxis werden konnte, was vor allem von Kindern individuell, ontogenetisch, jeweils gelernt wurde, in jeder Generation neu – und etwas anders. Erst dann kann in der Gemeinschaft der Zusammenklang dieser individuellen Fähigkeiten zu einem Teil der Umwelt werden, in der die nächste Generation aufwächst und die Stammesgeschichte, die Phylogenese, fortgesetzt wird.

Dabei gilt es als von besonderem Interesse zu rekonstruieren, wie Sprache bei Homo sapiens im Tier-Mensch-Übergang erstmals eigenständig entstehen konnte. Sie kann nicht – wie es früher ohne das nötige Wissen meist geschah – einfach implizit irgendwie an den Anfang der Geschichte gesetzt werden, mit...

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