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Über die Anfänge des Denkens − Kognition und Siedlung

Soziologie der Steinzeit – von der Höhlenmalerei zum Göbekli Tepe

Lars Hennings

Diese Studie sammelt Thesen für eine interdisziplinäre Forschung der Soziologie als Leitwissenschaft zur Erkundung der Steinzeit. Nach Ankunft des Homo sapiens von Afrika nach Westeuropa beginnt nach dessen biologischer Stabilisierung seine weitere Formung als sozialer, sich selbst verändernder Prozess. Die Artefakte zeigen zu Beginn einen sehr schlichten Typus, der sich eben erst von Homo erectus und neanderthalensis entfernt. Die humanen Veränderungen folgen nicht mehr der Darwinschen Zuchtwahl. Bald entstehen, bei wildbeuterischer Lebensweise, feste Siedlungen, die die Sozialität ausweiten, eine Sprech-Sprache fördern und mit den Anfängen des Denkens eine frühe traditionale Logik ausbilden, die über Sumer, Griechenland ins europäische Denken führt.

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Urbanität in der Steinzeit?

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Wir wechseln den Blick von eher individuellen Begründungen der Entwicklung der Kognition hin zur sozialen Situation, zur Umwelt, die die Menschen mit ihren Ideologien einschließt. Mit der größeren Siedlung entsteht ab vor gut 20.000 Jahren ein neuer Typus der Lebensweise, bei mir die Jüngeren Wildbeuter¡nnen. Bald wurde es am Rand großer Siedlungen für das Sammeln zu eng; die (ideellen Torten-) Stücke des Umlandes werden für Familien immer kleiner. Gärten und Landbau konnten die Lösung beim Flächenmanagement sein, bis die sumerischen Großstädte diese Landwirtschaft kolonisieren mussten, um existieren zu können. Doch es beginnt lange vor dem Neolithikum, der Landwirtschaft als primärer Produktionsweise, so etwas wie eine kulturelle Entwicklungslinie der Urbanität, die ich – wechselwirkend – für ein entscheidendes Bewegungselement von Kultur und Kognition im Jung-Paläolithikum und darüber hinaus halte. Eine erste lange Phase reicht bis hin nach Sumer und Ägypten; ohne von Kontinuitäten auszugehen, wie wir noch sehen werden.

Kultur als über tägliche Arbeit hinausgehende Lebensweise beginnt nicht mit dem Ackerbau, wie es oft gesagt wird. Die Sozial-differenzierte Gemeinschaft vom Göbekli Tepe erscheint in diesem Sinn als erste Hochkultur, die vor allem in der (unbekannten) Siedlung seiner Erbauer¡nnen entstand. Dort kam es nach heutigem Wissen erstmalig zu so etwas wie einer voll ausgebildeten traditionalen Kognition mit Sprech-Sprache, Bewusstsein, Mythen und einer definierten Religion; vielleicht auch zu ersten Strukturen institutionalisierter Herrschaft. Womöglich gab es Sklavenwirtschaft, spekuliere ich,...

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