Show Less
Restricted access

Das Spiel mit der Liebe: Liebesentwürfe in der Gegenwartsliteratur im Lichte spieltheoretischer Konzepte

Series:

Nienhaus Kristina

Das Verständnis von Liebe und Partnerschaft hat sich unter den Bedingungen der Spätmoderne verändert: Durch Digitalisierung, Globalisierung und die gesellschaftliche Akzeptanz von alternativen Lebensmodellen erscheint der Möglichkeitsraum der Liebe unendlich ausgedehnt. Auf diese Veränderung reagiert auch die Literatur. Der vorliegende Band verbindet spieltheoretische Ansätze (von Kant bis Baudrillard) mit (post-)modernen Liebeskonzeptionen (vor allem von Niklas Luhmann, Roland Barthes und Eva Illouz), um einen Blick auf die Auseinandersetzung mit den Geschlechterbeziehungen in der Gegenwartsliteratur zu werfen. Er geht der These nach, dass die Liebe unter den Bedingungen der Spätmoderne ein Phänomen ist, das sich mit Schlüsselkategorien der Spieltheorie adäquat erfassen lässt.

Show Summary Details
Restricted access

4. Das Spiel als Perspektive auf die Liebesbeziehungen der Gegenwartsliteratur

Extract

Wie lassen sich Spiel und Liebe konkret zusammendenken? „Life’s a game made for everyone / And love is the prize“ lauten zwei Zeilen aus dem Liedtext von Wake me up, einem Musikstück des mittlerweile verstorbenen schwedischen DJ und Musikproduzenten Avicii, eigentlich Tim Bergling.525 Eine schöne Vorstellung, die Liebe als Preis zu erhalten für die Spielzüge, die im Leben siegreich abgeschlossen wurden. So einfach gestaltet es sich allerdings nicht. Bergling hat dabei schon Recht, wenn er das Leben als Spiel bezeichnet, gerade in der heutigen Gesellschaft, in der in den unterschiedlichsten Lebensbereichen immer mehr Spielimperative auftauchen. Um einen Job zu finden, müssen sich heute viele Bewerber berufseignungsdiagnostischen Verfahren im Assessment Center stellen und dort ihre Fähigkeiten und ihren Kampfgeist beweisen. Bei Arbeitssimulationen und Rollenspielen sollen sie zeigen, dass sie auch im Ernstfall, im echten Leben, das Spiel beherrschen und gewinnbringend eingesetzt werden können.526 Spielerisch verändert sich auch das Gesundheitswesen. Immer mehr Menschen haben begonnen, sich selbst zu vermessen. Sie sammeln Daten über Trainingseinheiten, Schlafzeiten und Kalorienzufuhr. Die Krankenkassen wollen dabei mitspielen und bieten dem Versicherten Bonuspunkte und Rabatte, wenn er sein Workout durch sogenannte Smartwatches oder Fitness-Tracker überwachen lässt.527 Unmengen an sensiblen Daten werden gesammelt, aber die Freude über die Herausforderung und das gute Gefühl, sich einen Bonuspunkt nach dem anderen zu ergattern, überwiegt bei vielen. Durch die Perspektive der Postmoderne betrachtet, zerfällt das Leben zum Spiel. „Radikale ←125 | 126→Pluralität“, konstatiert hier Wolfgang Welsch und zeitgleich existente und...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.