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Das Spiel mit der Liebe: Liebesentwürfe in der Gegenwartsliteratur im Lichte spieltheoretischer Konzepte

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Nienhaus Kristina

Das Verständnis von Liebe und Partnerschaft hat sich unter den Bedingungen der Spätmoderne verändert: Durch Digitalisierung, Globalisierung und die gesellschaftliche Akzeptanz von alternativen Lebensmodellen erscheint der Möglichkeitsraum der Liebe unendlich ausgedehnt. Auf diese Veränderung reagiert auch die Literatur. Der vorliegende Band verbindet spieltheoretische Ansätze (von Kant bis Baudrillard) mit (post-)modernen Liebeskonzeptionen (vor allem von Niklas Luhmann, Roland Barthes und Eva Illouz), um einen Blick auf die Auseinandersetzung mit den Geschlechterbeziehungen in der Gegenwartsliteratur zu werfen. Er geht der These nach, dass die Liebe unter den Bedingungen der Spätmoderne ein Phänomen ist, das sich mit Schlüsselkategorien der Spieltheorie adäquat erfassen lässt.

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5. Schluss

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Der große Unterschied von Spiel und Liebe offenbart sich im Moment, in dem beides endet. Das Spiel muss enden, damit es einen Sieger geben kann. Wenn die Liebesbeziehung endet, haben eigentlich beide verloren. Dass beide gewinnen, ist aber auch nicht möglich, es sei denn, sie lassen sich auf ein andauerndes Beziehungsspiel ein, das Kompromisse als delektierend und die gleichberechtigte Partnerschaft als das Ziel des Spiels betrachtet. In den untersuchten Liebeskonstrukten hat dies nicht funktioniert. Die Beziehungen, die hier dargestellt werden, sind meist solche, die am Spiel scheitern oder deren Spiel auf einen ganz anderen Ausgang ausgelegt war, beispielsweise auf das Durchsetzen des eigenen Vorteils.

Die in dieser Arbeit behandelten Liebeskonstrukte zeigen auf vielfache Weise immer dieselbe Problematik: Die unterschiedlichen Liebeswünsche sind nicht kompatibel. Während zum einen die modernen egozentrischen Verhaltensweisen der stark auf Individualität und den eigenen Vorteil bedachten Charaktere hierbei eine Rolle spielen, sind zum anderen die postmodernen Beziehungsformen als Konstruktionen, in denen alles möglich erscheint, bedeutend. Die hier untersuchten Texte beschränken sich auf die Darstellung von Beziehungskonstrukten, die vornehmlich heterosexuelle, lediglich von zwei oder mehreren Partnern ausgelebte Verbindungen beinhalten. Gleichgeschlechtliche Liebe, transsexuelle Beziehungen, queere Figuren aber auch große Altersunterschiede und kulturelle Differenzen bieten darüberhinausgehend viel Untersuchungspotenzial. Die Schweizer Autorin Simone Meier hat in ihrem Roman Fleisch809 aus dem Jahre 2017 beispielsweise die lesbische Liebe einer älteren Frau mit einer jungen Studentin in den Fokus gerückt. Hinzu kommen in diesem Roman unterschiedliche weitere Liebes- und Beziehungsvarianten, wie...

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