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Die orthodoxen Kirchen in Geschichte und Gegenwart

Zweite, überarbeitete und ergänzte Auflage

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Hans-Dieter Döpmann

Mit dieser Gesamtdarstellung der Orthodoxie wird dem Leser die vielfältige Welt der orthodoxen Kirchen erschlossen. Den Ausgangspunkt bilden die Geschichte des Christentums im römisch-byzantinischen Reichsgebiet und die konfessionellen Abspaltungen. Dem historischen Rückblick folgt eine Übersicht über die Vielfalt der heutigen, über den gesamten Erdkreis verstreuten orthodoxen Kirchen. Der Leser wird mit der Struktur dieser Kirchen bekannt gemacht. Er erhält Auskunft über die unterschiedlichen Gottesdienste, Riten und ihren Symbolgehalt, über die Bedeutung und Funktion liturgischer Geräte, Gewänder und Gesänge, den gottesdienstlichen Raum, die Welt der Ikonen, das Sakramentsverständnis, Frömmigkeitsformen, diakonisches Wirken sowie über orthodoxes Mönchtum, einschließlich der Mönchsrepublik des Athos. Schließlich wird das heutige Engagement orthodoxer Kirchen in Staat und Gesellschaft behandelt.

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9. Die Glaubensgrundlagen der orthodoxen Kirche - 233

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233 9. Die Glaubensgrundlagen der orthodoxen Kirche 9.1. Orthodoxes Glaubensverständnis Das Wort „Orthodoxie“ bedeutet „Rechtgläubigkeit“ nicht nur im Sinne abstrak- ter Glaubenslehre, sondern von „rechter doxa“ (ksl. sláwa) d.h. rechter Lobpreis, Rühmen, anbetende Verehrung, lebendiges, die gesamte menschliche Existenz umfassendes Bekennen. Gerade heutige orthodoxe Theologen verbinden damit gern den Begriff „Erfahrung“ und betonen die Zusammengehörigkeit von Glau- benslehre und Praxis der Kirche, die durch Gottesdienst, Gebet und Lebenshal- tung den Erfahrungsstrom der Zeit und Raum übergreifenden Gemeinschaft mit dem Herrn vermittelt. Nach Sergéj Bulgákow (gest. 1944) ist Orthodoxie „nicht eine Lehre, son- dern das Leben in Gott“. Somit ist Glaube nicht nur ein Fürwahrhalten der von der Kirche gelehrten Glaubensinhalte, vielmehr ein vertrauensvolles Sich-von- Gott-erfassen-Lassen. Der Titel eines Werkes von Pseudo-Dionysios Areopagitēs (Ende 5. Jahrhundert) „Über die mystische Theologie“ kennzeichnet orthodoxes Verständnis: Es geht nicht darum, das dem Menschen letztlich unzugängliche Mysterion, das Geheimnis Gottes, rational zu hinterfragen bzw. es zu verstehen. Der Mensch kann nur durch das geheimnisvolle Wirken Gottes erfasst werden, an ihm teilhaben. Symeon der Neue Theologe (gest. 1022) betonte den lebendigen Glaubensbezug: „Es gibt kein anderes Mittel, Gott zu erkennen, als in ihm zu leben.“ Im Einklang damit bezeichnet Pawel Jewdokímow (gest. 1975) die Theo- logie als „Erkenntnisgemeinschaft“, deren letzte Bestimmung Mystagogie, das Führen zur Einheit mit Gott, sei. Er beruft sich auf das Wort des Gregorios von Nyssa: „Wenn du Theologe bist, so wirst du wahrhaft beten, und wenn du wahr- haft...

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