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«Nach Galizien»

Entwicklung der Reiseliteratur am Beispiel der deutschsprachigen Reiseberichte vom 18. bis zum 21. Jahrhundert

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Anna de Berg

Einen Ort kann man in Gedichten, Briefen, Autobiographien, Essays oder Romanen beschreiben, aber eine Gattung ist dafür besonders geeignet: der Reisebericht. Die Geschichte der Reisebeschreibung zeigt, wie die zentralen Kategorien dieses literarischen Genres sich konstituieren und wandeln: die Authentizität der Darstellung, die Wahrnehmung des Fremden und des Eigenen sowie die Erinnerung an den Ort und an die Geschichte, die mit ihm verbunden ist. Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung der Berichte über Galizien und analysiert die literarischen und sozialen Faktoren, die auf diese Kategorien einwirken und damit das Bild der ehemaligen habsburgischen Provinz prägen.

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4. Reisen nach Galizien und in die Bukowina nach 1945 105

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105 4. Reisen nach Galizien und in die Bukowina nach 1945 Die im 3. Kapitel analysierten Texte1 handeln von einem Galizien, das eine politi- sche, wirtschaftliche und kulturelle Realität darstellte; sie bilden eine Art Einführung in die Texte, denen das vorliegende Kapitel gewidmet ist. Doch das Interesse an diesem historischen Galizien erklärt nur teilweise das Interesse der Schriftsteller und Journalisten an jenem Land, das 1918 zu existieren aufhörte und dem auf der europäischen Landkarte keine sehr lange, glorreiche oder für die eu- ropäische Geschichte besonders relevante Existenz vergönnt war. Nichtsdestotrotz entstehen im 20. und 21. Jahrhundert zahlreiche Anthologien, Bücher und Zei- tungsartikel, die von „Galizien“ erzählen, die es im gewissen Sinne mythisieren und die Erinnerung daran lebendig halten. Der folgende Überblick über die Autoren, ihre Texte und die besuchten Orte dient dazu, die darauffolgenden Reisebeschreibungen kontextuell zu verorten. In den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts erschien ein Buch, das in gewisser Hinsicht bahnbrechend für die zeitgenössische deutschsprachige Reiseliteratur über Galizien war: Nach Galizien2 von Martin Pollack. Diese Reise in die Welt des galizischen Ostjudentums, der Chassiden, Bojken und Huzulen, wurde für alle in dieser Gegend lebenden Menschen zu einem literarischen Epitaph, zu einem Versuch, die Vergangenheit zu rekonstruieren. Im Vorwort zur zweiten Auflage heißt es: Wer sich zu einer Reise dorthin aufmacht, der wird vieles entdecken, was an die kakanische Vergangenheit erinnert, die man längst vergessen und verschüttet glaubte. In Städten wie Lemberg,...

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