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«Wir lebten mitten im Tod.»

Das «Sonderkommando» in Auschwitz in schriftlichen und mündlichen Häftlingserinnerungen

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Sonja Knopp

Wer kann uns von der Shoah an ihrem dichtesten Punkt, den Gaskammern von Auschwitz-Birkenau, berichten und ein Bild darüber vermitteln, wie Millionen Menschen starben? Die Häftlinge des «Sonderkommandos» arbeiteten in den Gaskammern und Krematorien von Auschwitz-Birkenau, wo sie hunderttausende Leichen aus den Gaskammern räumten und verbrannten. Tagebücher und spätere Interviewaussagen ehemaliger Häftlinge bieten Einblicke in das Leben und Überleben im Kern der nationalsozialistischen Vernichtungsmaschinerie. Die Untersuchung zeigt, wie sich die Lebens- und Handlungsbedingungen im Lager auf die Mitglieder des «Sonderkommandos» auswirkten. Dabei zeichnen die Zeugnisse ein Bild zersetzender Ohnmacht und Überzähligkeit, verdeutlichen aber auch Überlebensstrategien einzelner Häftlinge.

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D SCHLUSSBETRACHTUNG 101

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101 D SCHLUSSBETRACHTUNG Zu Beginn dieser Arbeit wurde nach den entscheidenden Einflussfaktoren der Machtstrukturen im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau auf die Mitglieder des „Sonderkommandos“ gefragt sowie danach, inwiefern sich Denken und Han- deln der Häftlinge zu den Machtverhältnissen im Lager verhielten. Daraufhin folgte als Erstes eine Orientierung verschaffende Darstellung des beweisbaren hist- orischen Tatbestands bezüglich des „Sonderkommandos“ in Auschwitz-Birkenau über den Zeitraum von 1942 bis 1945. Nachdem Untersuchungsraum und -ge- genstand geklärt waren, wurde die Perspektive erläutert, aus der die Analyse vorge- nommen wurde sowie die Quellengrundlage, die sie ermöglichte. Der hier einge- nommene Blickwinkel entsprach dem der Häftlinge des „Sonderkommandos“, als Quellen wurden deshalb während ihrer Häftlingszeit und retrospektiv abgelegte Zeugnisse damaliger Sonderkommandohäftlinge gewählt. Theoretische Grundlage der Analyse war das soziologische Konzept der Absoluten Macht, das die in national- sozialistischen Konzentrationslagern herrschenden Machtstrukturen darzustellen beansprucht. Für diese Untersuchung wurde es erweitert und auf die Verhältnisse im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau und die dortige Häftlingsgruppe im „Sonderkommando“ angewendet. Das Modell bildet den Kontext, in dem die Ana- lyse typischer Momente im Denken und Handeln der Häftlinge stattfand. Aus der Gesamtheit der Quellen und mithilfe des soziologischen Konzepts wurden die be- deutendsten Einflussfaktoren der Lagermacht im Leben der Häftlinge herausgefil- tert. Formalisierende Ordnungsmechanismen, Gewalt und Arbeit traten dabei als dominant hervor. Die Reaktionen der Häftlinge waren unterschiedlich. Als eines der Ergebnisse dieser Arbeit kann daher festgehalten werden, dass die Mechanis- men der Lagermacht bei den Häftlingen jeweils...

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