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Der Mythos «Anno Neun»

Andreas Hofer und der Tiroler Volksaufstand von 1809 im Spiegel der Geschichtsschreibung (1810-2005)

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Florian Kern

Im Jahre 1809 kam es in Tirol zu einer Erhebung, die in einem Volksaufstand unter der Führung des Land- und Gastwirts sowie Passeirer Schützen Andreas Hofer mündete. Am Ende wurde der Tiroler Widerstand durch napoleonische Truppen niedergeschlagen, was blieb war die Erinnerung an die Personen und Ereignisse von 1809. Der Autor hat mit seiner Arbeit zu Andreas Hofer und dem Mythos Anno Neun ein Exempel für die Zeitbedingtheit von historischer Perspektive vorgelegt. Am Beispiel der wechselvollen Rezeptionsgeschichte des Andreas Hofer-Bildes der letzten 200 Jahre mit seinen politisch bedingten Brüchen und ideologischen Konjunkturen liefert der Verfasser einen wertvollen analysierenden Beitrag zu dem, was man neuerdings «Geschichtspolitik» nennt.

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2 Stand der Forschung und theoretische Begriffsdeutung

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2.1 Historiographie und historische Rezeptionsforschung Da die folgende Arbeit einen historiographischen, genauer gesagt einen rezepti- onsgeschichtlichen Ansatz verfolgt, empfiehlt es sich in diesem Zusammenhang eine genauere Definition dieser Begriffe zu unternehmen. Die Historiographie ist die Wissenschaft vom Aufschreiben der Geschichte. Historiographie basiert somit prinzipiell auf quellenkritischer Geschichtsforschung. Eine sinnvolle His- toriographie ohne solch eine zuvor erfolgte Geschichtsforschung ist nicht mög- lich. Der Geschichtsschreiber ist hierbei ständig bemüht in wissenschaftlich- erzählender Form und somit aus sachlicher Distanz über Zustände, Ereignisse und Personen in der Vergangenheit zu berichten. Er hat nicht Richter über die Vergangenheit zu sein. Im Wandel der Zeit bzw. des Zeitgeistes kann es trotz- dem zu Umdeutungen bei geschichtlichen Ereignissen kommen, was weniger auf eine Verletzung des wissenschaftlichen Kodex zurückzuführen ist, als auf veränderte Perspektiven im Zuge von Generationswechseln.13 Nichtsdestotrotz sollte der Historiker beim Erforschen von Vergangenem darum bemüht sein, den eigenen Zeitgeist möglichst wenig in seine Überlegungen mit einzubeziehen. „So wenig der Mensch an sich aus seiner Unvollkommenheit eine Rechtferti- gung für kriminelles Verhalten ziehen kann, so wenig ist es dem Historiker ge- stattet, aus seiner Zeitgebundenheit eine Ausrede für nicht vorhandnes Bemühen um Objektivität zu konstruieren.“14 Dabei gilt aber ebenso zu beachten, dass es, selbst bei größter Bemühung um Objektivität, eine endgültige historische Wahr- heit nicht geben kann, denn der Historiker, als Individuum, als selbstständig denkendes Wesen seiner Zeit, von den Eingebungen der Gegenwart geprägt, wird...

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