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Der Mythos «Anno Neun»

Andreas Hofer und der Tiroler Volksaufstand von 1809 im Spiegel der Geschichtsschreibung (1810-2005)

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Florian Kern

Im Jahre 1809 kam es in Tirol zu einer Erhebung, die in einem Volksaufstand unter der Führung des Land- und Gastwirts sowie Passeirer Schützen Andreas Hofer mündete. Am Ende wurde der Tiroler Widerstand durch napoleonische Truppen niedergeschlagen, was blieb war die Erinnerung an die Personen und Ereignisse von 1809. Der Autor hat mit seiner Arbeit zu Andreas Hofer und dem Mythos Anno Neun ein Exempel für die Zeitbedingtheit von historischer Perspektive vorgelegt. Am Beispiel der wechselvollen Rezeptionsgeschichte des Andreas Hofer-Bildes der letzten 200 Jahre mit seinen politisch bedingten Brüchen und ideologischen Konjunkturen liefert der Verfasser einen wertvollen analysierenden Beitrag zu dem, was man neuerdings «Geschichtspolitik» nennt.

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7.2 Zwischen 1890 und 1918 95

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Zwischen 1890 und 1918 95 diesem Werk bezeichnet Egger Andreas Hofer, Josef Speckbacher, Joachim Haspinger, die Bergiselschlachten vom 29. Mai und 23. August, „Anno Neun“ allgemein, trotz seiner sonst vorherrschenden Objektivität, als unvergängliche Ruhmesblätter in der Geschichte Tirols. Indirekt beanstandet er allerdings erneut eine patriotische Deutung, indem er unmissverständlich die Niederlage Tirols an der Abwendung Österreichs festmachte.322 Insgesamt gilt es an dieser Stelle zu betonen, dass im deutschen Sprachraum gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Flut an Anno-Neun-Literatur, die nicht auf neuem Quellenstudium beruhte, son- dern lediglich politisch gefärbte Neuinterpretationen enthielten, zunahm. So er- gab sich auch ein fliesender Übergang vom historischen Sachbuch zur histori- schen Erzählung.323 7.2 Zwischen 1890 und 1918 Wenn sich viele Inhalte der Rezeption nach 1890 nicht unbedingt geändert hat- ten, so war doch der politische Staus Quo, welchem sie unterworfen waren, ein anderer. Das neue Deutschland stand unter preußischer Hegemonie, die alte Macht Österreich war seit 1866 aus dem deutschen Staatengebiet verdrängt worden. Allerdings ergab sich aufgrund gemeinsamer Interessen nach 1871 ein bündnispolitischer Zusammenschluss, welcher zur Überwindung der früheren, innerdeutschen Rivalität beitrug. Deutschland wurde mit dem Zweibund von 1879 zum Garanten des Fortbestehens des Vielvölkerstaats Österreich-Ungarn und umgekehrt. Diese Form der politischen Symbiose bestand zumindest in den Köpfen der Probanten bis zum Jahr 1918 und förderte einen deutschen Nationa- lismus. Ein gewisses Zusammengehörigkeitsgefühl sollte im deutschsprachigen Raum des ehemaligen Deutschen Bundes bis weit in das 20.Jahrhundert beste- hen....

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