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Der Stromgroßhandel in Deutschland

Die Anwendung des Wertpapierhandelsgesetzes auf den deutschen Stromgroßhandel zur Stärkung der Marktintegrität

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Markus Wiesner

Der deutsche Strommarkt war in der Vergangenheit immer wieder dem Vorwurf der Manipulation ausgesetzt. Diese Arbeit will zeigen, inwieweit Insiderhandel und Marktmanipulation insbesondere an der Strombörse möglich sind und mit welchen Mitteln man diese verhindern kann. Dabei wird aber auch der außerbörsliche Markt einbezogen, da die Warenderivatmärkte gegenüber den eigentlichen Wertpapiergeschäften verschiedene Besonderheiten aufweisen. Der Autor zeigt, dass es gerade bei Stromderivaten möglich ist, auf dem außerbörslichen Markt Einfluss auf die Strombörse zu nehmen und umgekehrt. Ebenso besteht eine noch engere Verknüpfung zwischen den Derivaten und den physischen Stromgeschäften, als dies bei Wertpapieren der Fall ist. Dadurch greifen die im Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) geregelten Instrumente zur Steigerung der Marktintegrität nicht an allen Warenmärkten.

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KAPITEL 2 DER STROMGROßHANDEL IM ALLGEMEINEN

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A) Überblick Anders als in einigen europäischen Ländern, beispielsweise Spanien, Italien und Norwegen, gibt es in Deutschland keine Börsenpflicht für den Stromhandel.25 So entwickelte sich in Deutschland sowohl ein börslicher, als auch ein außerbörsli- cher Stromhandel. In beiden Bereichen wiederum kann zwischen dem physisch erfüllbaren Stromhandel, also dem Handel, der tatsächlich zur Lieferung von Strom führen soll, und dem finanziellen Stromhandel unterschieden werden.26 Der finanzielle Handel führt nicht zu einer Lieferung von physischem Strom, sondern zu einer Ausgleichszahlung in bar. Der rein finanzielle Stromhandel, al- so der Handel mit Stromderivaten, dient in der deutschen Handelspraxis in erster Linie der Absicherung bestimmter Preisrisiken, zu einem kleinen Teil sicherlich auch zu Börsenspekulationen.27 Im Börsenhandel nimmt bei den physisch erfüllbaren Produkten der kurzfristige Handel, d.h. der Handel mit Strompaketen für den laufenden und den unmittel- bar nachfolgenden Tag (Intraday-Market und Day-Ahead-Market), eine wesent- liche Rolle ein. Der Terminmarkt, also der Handel mit Produkten, die sich auf einen längeren Erfüllungszeitraum beziehen (beispielsweise den Monats-, Quar- tals- und Jahresfutures)28, findet dagegen nur zu einem kleinen Teil an der Börse statt (ca. 20 %).29 Die unterschiedliche Bedeutung des Börsenhandels für Spot- markt–Produkte und für Terminmarkt-Produkte wird bereits an der Anzahl der aktiven Handelsteilnehmer sichtbar. Die deutsche Strombörse European Energy Exchange (EEX) veröffentlicht hierzu tagesgenau die Zahl der Teilnehmer in den beiden Marktsegmenten.30 Danach waren im Jahr 2007 durchschnittlich 110 25...

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