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Das Kapital als Prozeß

Zur geschichtlichen Tendenz des Kapitalsystems

Emmerich Nyikos

Wohin driftet das aktuelle Gesellschaftssystem aufgrund seiner inneren Logik? Was ist seine geschichtliche Tendenz jenseits und unterhalb des phänomenalen Geschehens? Historische Extrapolationen setzen voraus, der theoretischen Rekonstruktion des Modus operandi des Systems – eine Rekonstruktion auf der Basis des Aufsteigens vom Abstrakten zum Konkreten – eine historische Dimension zu verleihen, d. h. dieses Funktionieren als einen Prozeß, also als ein Geschichtliches zu fassen: den Stufenaufbau zu dynamisieren in einem integralen Modell, das zugleich die Trajektorie des Systems vom Embryonalen bis hin zum Überreifen, also zur condition post-moderne reflektiert.

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VII. Das System als Prozess oder: Die Logik des Werdens 527

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527 VII. Das System als Prozeß oder: die Logik des Werdens 1. Die Ära der traditionellen Klassengesellschaft, von den ersten Anfängen am Nil und zwischen Euphrat und Tigris, von der Zeit der Pyramiden und Zikkurate bis zum Advent der modernen Epoche des Kapitals und der bürgerlichen Gesellschaft, ist die Zeit der monarchischen, aristokratischen oder demokratischen Reiche, in denen die herrschende Klasse das Surplus koerzitiv extrahiert, auf der Basis persönlicher Abhängigkeit,1 eine Abhängigkeit, die, wie im Falle des Sklaven, absolut ist – denn der Sklave ist Sache wie jede andere auch im Besitz eines Herrn –, oder die sich im Rahmen des Obereigentums am Grund und Boden ergibt,2 so daß die Bebauer der Erde, da sie mit dieser als ihrer Le- bensgrundlage verwachsen, ihr einverleibt sind, als Zubehör des Grundeigentums dem Grundeigentümer gehören, was sich formal als direkte (individuelle oder kollektive) ju- ristische Bindung an einen Herrn darstellen kann (in der Form etwa der Leibeigenschaft oder der Subordination eines Dorfes), aber nicht unbedingt darstellen muß.3 Diese historischen Imperien sind stets ein mehr oder weniger loses Konglome- rat von Provinzen gewesen, mit einer Kernzone, dem Ausgangspunkt der Expansion,4 mit Gebieten, die sich, einmal erobert, nach und nach dieser Kernzone bis zu einem bestimmten Punkt assimilieren,5 und schließlich mit Rändern, durch bloße Tributbezie- hungen an das Zentrum gekoppelt, wobei ihre autochthone Elite autonom operiert, einen Teil des lokalen Überschusses jedoch an die Zentrale abliefern muß. Nun ist es klar,...

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