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Die Folter im Beweisverfahren der Leges Visigothorum

Chindasvinths Gesetzgebung im Spiegel der westgotischen Rechtsentwicklung

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Andreas Kimmelmann

Dieses Buch befasst sich mit der Folter im Beweisverfahren der Leges Visigothorum, namentlich der Gesetzgebung des westgotischen Königs Chindasvinth in diesem Bereich. Die Besonderheiten in Chindasvinths umsichtigen Folterregelungen werden auf ihre gesetzgeberischen Motive sowie eventuelle Vorbilder untersucht. Die Untersuchung zeigt vor allem eine weitgehende gesetzgeberische Eigenleistung Chindasvinths, die sich unabhängig von möglichen Vorbildern auf seine eigenen gesetzgeberischen und politischen Intentionen gründet.

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Kapitel 2: Die zu betrachtenden westgotischen Gesetze 39

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39 Kapitel 2: Die zu betrachtenden westgotischen Gesetze I. Pariser Fragmente (sog. Codex Euricianus) Nach unserem derzeitigen Wissen wurde das Recht der Westgoten zuerst von allen germanischen Stämmen aufgezeichnet.80 Die ersten uns bekannten Geset- ze wurden erlassen von dem Westgotenherrscher Theodered bzw. Theoderich I. (418–451)81. Von seinem Sohn, Theoderich II. (453–466)82 wurden später die Le- ges Theodoricianae erlassen. Es muss sich hierbei um ein größeres Gesetzbuch gehandelt haben, vergleichbar dem Codex Theodosianus.83 Diese Gesetze sind uns allerdings nicht mehr im Original erhalten. Wir kennen sie nur, da sie in einem späteren Gesetzeswerk der Westgoten (ca. 469–476/7 entstanden)84 zitiert werden, das uns bruchstückweise in einer Pariser Palimpsest-Handschrift (Cod. Parisinus Lat. 12161) aus dem 6. Jhd. n. Chr. erhalten ist.85 Diese wurde im 18. Jhd. von den Maurinern im Kloster St. Germain des Prés entdeckt.86 Diese sog. Pariser Fragmente werden auch von der heutigen Forschung über- wiegend nach ZEUMER als Codex Euricianus bezeichnet87, da sie Theoderichs Bruder und Nachfolger Eurich (466–484/5)88 zugerechnet werden, dem zu seiner Zeit mächtigsten Herrscher im Westen Europas89. Laut D’ORS hat dieses Geset- zeswerk einmal die Bezeichnung Edictum getragen.90 80 Buchner (Wattenbach-Levison), S. 6 (7); Amira/Eckhardt, Germanisches Recht I, S. 20; Lieberwirth, Folter, S. 13 (22). 81 Daten nach Claude, Adel, S. 211. 82 Daten nach Claude, Adel, S. 211. 83 Buchner (Wattenbach-Levison), S. 6 (7). 84 Nehlsen, Sklavenrecht, S. 153 (155 a.E.); vgl. Stroheker, Eurich, S. 96; vgl. Díaz/Gon- zález...

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