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Hegels Beitrag zur Bildungsdiskussion unter besonderer Berücksichtigung seiner Rechtsphilosophie

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Ellen Kraft

Verfolgt man die gegenwärtige pädagogische und politische Debatte, dann ist augenfällig, dass der Begriff der Bildung noch immer zu einem zentralen Leitbegriff gehört. Gleichwohl droht heute das Verständnis von Bildung auf abfragbare Kenntnisse verengt zu werden. Eine zunehmend empirisch ausgerichtete Pädagogik scheint das philosophische Moment in ihren Überlegungen zu vernachlässigen. Mit Hegels Konzeption von Bildung wird an ein ganzheitliches Verständnis vom gebildeten Menschen erinnert und dieses in die heutige Diskussion eingebracht. Hegel thematisiert das Verhältnis des Individuums zur Gemeinschaft, beleuchtet die Rolle der Institutionen von Familie, Gesellschaft und Staat im Bildungsprozess des Menschen und hat mit seiner Auffassung von Bildung uns Heutigen erstaunlich viel zu sagen.

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6. Bildung im gesellschaftlichen Kontext – die Bedeutung der gesellschaftlichen Institutionen 61

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61 6. Bildung im gesellschaftlichen Kontext – die Bedeutung der gesellschaftlichen Institutionen 6.1. Zum Verhältnis von Erziehung und Bildung Nachdem die anthropologischen Annahmen über das Wesen und die Bestim- mung des Menschen dargelegt wurden, geht es im Folgenden darum, diese An- nahmen auf die gesellschaftliche Wirklichkeit und ihre Institutionen zu bezie- hen, Bildung in ihrem gesellschaftlichen Kontext zu erläutern. Da in diesem Zusammenhang auch der Begriff der Erziehung eine wesentliche Rolle spielt, scheint es vorab geboten, den Bedeutungsunterschied, der hier zu Grunde gelegt wird, kurz darzustellen. Das Verhältnis von „Erziehung“ und „Bildung“ ist nicht nur in der pädagogischen Literatur überhaupt vielfach thematisiert und unter- sucht worden, sondern spielt auch in Hegels Überlegungen eine Rolle. Wenn Hegel auch in manchen seiner Werke die beiden Begriffe nicht immer streng voneinander absetzt, sondern sie an einigen Stellen sogar zusammennimmt oder in einem Zuge nennt, dann liegt dies freilich nicht daran, dass er sie nicht unter- scheiden würde, sondern dass sie in den dann von ihm verwendeten Kontexten einander inhaltlich angenähert sind.182 In der Rechtsphilosophie setzt er gleich- wohl für die Bedeutung von Erziehung und Bildung einen unterschiedlichen Schwerpunkt. Für die aktuelle Bildungsdiskussion erscheint es sinnvoll, diese unterschiedlichen Akzentsetzungen, welche die Begriffe aufweisen und welche sich auch in der Rechtsphilosophie finden lassen, herauszustellen. In der Rechtsphilosophie thematisiert Hegel die Funktion von Erziehung vor allem im Zusammenhang mit der Institution der Familie (vgl. § 175), während er den Bildungsprozess in den Abschnitt über die bürgerliche Gesellschaft einord-...

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