Show Less

Ein neues Zuhause?

Eine ethnographische Studie in einem Altenpflegeheim

Series:

Wolfgang Hahn

Kann ein Altenpflegeheim ein neues Zuhause werden? Dieser Frage geht diese Mikrostudie, eine empirische Ethnographie der eigenen Kultur, über mehrere Jahre nach. Gegensätzliche Kriterien, die kaum miteinander vereinbar sind, treffen zusammen: Der caritative Gedanke, den alten Menschen zu helfen und die Verletzung ihrer Persönlichkeitsrechte durch die Ökonomisierung des Hilfs- und Pflegemarktes. Der Autor fungiert in einer Doppelrolle. Er ist als Sozialarbeiter vor Ort tätig und betreut die alten Menschen in sozialen und kulturellen Fragen. Als Ethnologe beschreibt er das Leben im Heim aus der Sicht der Personen, die dort wohnen und arbeiten. Neben diesem Blickwinkel reflektiert er sein persönliches Handeln und betrachtet zusätzlich das Geschehen im Haus aus einer distanzierten Forscherperspektive.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Quellenanhang 247

Extract

247 Quellenanhang Die Oromo „Ursprünglich gab es keine Lebensäußerung eines Galla, die nicht von seiner Zugehörigkeit zu dieser alles regelnden Ordnung (gada-System) abhängig gewesen wäre“, (1963: 167, Hervorhebung Verfasser) so schreibt Haberland in seinem Buch „Galla Süd-Äthiopiens“. Ich benutze hier ihren Eigennamen Oromo. Der Begriff gada hatte zwei Bedeutungen: Einerseits war es der Begriff für das gesamte Gesellschaftssystem, andererseits der Name der sechsten und bedeutendsten von insgesamt zehn Status-Klassen. Alle Lebensabschnitte eines Oromo – von der Geburt bis zu seinem Tod – wurden ohne Rücksicht auf die menschlichen Bedürfnisse einem starren Jahreszahlensystem unterge- ordnet. Das System beeinflusste alle privaten, religiösen und gesellschaftlichen Belange. Hier möchte ich einige markante Regeln darstellen: • Alle acht Jahre stiegen Männer in die nächst höhere Klasse auf, die ihre Mit- glieder durch äußere Merkmale wie Haarfrisur, Schmuck und Kleidung iden- tifizierte. Man erwarb damit neue Rechte und Pflichten und hatte sich nach deren Vorgaben zu richten. • Nach den ersten fünf Klassen – dazu kann man auch „Sohnschaft“ sagen – wechselte man in die nächsten fünf über, die als „Vaterschaft“ zu be- zeichnen wären. • Um in die sechste Klasse, die gada-Klasse, die wichtigste für den Mann, ein- treten zu können, musste man mindestens 40 Jahre alt sein. Es bestand eine enge Verbindung zwischen dem Töten und Zeugen sowie der Ver-pflichtung zum Opfern. Ein besonderes Verhältnis herrschte zwischen Mensch und Rind, der Lebensgrundlage der Oromo. Erst nach...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.