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Die literarische Rezeption des Cato Uticensis

In Ausschnitten von der Antike bis zur Neuzeit

Stephan Gäth

Der Blick auf Cato war nach seinem Tod und in der Antike zum größten Teil positiv geprägt. Die romantische Vorstellung vom freiheitsliebenden Widerstandskämpfer, der für seine Ideale eher in den Tod ging als zur ausgestreckten Hand Caesars, wurde erst mit dem christlichen Mittelalter relativiert, erlebte mit der letzten Hälfte der Frühen Neuzeit eine eigene Renaissance und sollte erst ab der Mitte des 19. Jahrhunderts wieder kritischer betrachtet werden. Mit seinem Selbstmord trat Cato aus dem Schatten der großen Männer und stand für einen kurzen Moment über den um ihn herum zu Scherben zerbrechenden Dingen. Dieser Tod festigte seinen Symbolcharakter und der tragische Held verkörperte nicht nur das Freiheitsideal aller Anhänger der Republik, sondern auch das der folgenden Generationen.

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2 Die augusteischen Dichter 45

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45 2 Die augusteischen Dichter 2.1 Horaz Zwischen der Schlacht bei Phillippi, in der er als Tribun an der Seite der Cae- sarmörder kämpfte, und der Veröffentlichung der ersten drei Bücher seiner car- mina vergingen für Horaz fast zwei Jahrzehnte. Von den melancholischen Ge- danken des Republikaners in z. B. carm. II 7 bis hin zum jauchzenden Dichter der Saekularfestspiele des Jahres 17 liegt abermals nicht nur eine Zeitspanne, sondern die ganze Tragik des Horaz, die er mit Vergil teilte. Beide waren sie in der Republik der Väter aufgewachsen, die nun in das Prinzipat des iulischen Adoptivsohnes übergegangen war und für den sie eine Funktion als Hofdichter erfüllten. So endet Horaz‘ Ode I 12 natürlich mit dem „sidus Iulium“ (47), dem alles Überstrahlenden, nur, und das explizit, eingeschränkt durch die Macht Iupiters. Richard Bentley war als erster der Ansicht, in diesem hellen Schein einen Schat- ten gefunden zu haben. Die letzten Worte der Zeilen 33-36 („Romulum post hos prius an quietum / Pompili regnum memorem, an superbos / Tarquini fascis, dubito, an Catonis / nobile letum“) sollten demnach eher mit „anne Curti nobile letum“ wiedergegeben werden119. Ist die Erwähnung des Uticensis in einem ho- razischen Gedicht nun so abwegig? Gewiss, Augustus hatte eine Gegenschrift auf Brutus‘ Cato verfasst (Suet. Aug. 85,1), zudem war dieser der erklärte Feind seines Adoptivvaters und verkörperte wie nichts anderes die republikanische Sache120. Aber als ‚Wiedererrichter der Republik‘ und divi filius stand...

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