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Die literarische Rezeption des Cato Uticensis

In Ausschnitten von der Antike bis zur Neuzeit

Stephan Gäth

Der Blick auf Cato war nach seinem Tod und in der Antike zum größten Teil positiv geprägt. Die romantische Vorstellung vom freiheitsliebenden Widerstandskämpfer, der für seine Ideale eher in den Tod ging als zur ausgestreckten Hand Caesars, wurde erst mit dem christlichen Mittelalter relativiert, erlebte mit der letzten Hälfte der Frühen Neuzeit eine eigene Renaissance und sollte erst ab der Mitte des 19. Jahrhunderts wieder kritischer betrachtet werden. Mit seinem Selbstmord trat Cato aus dem Schatten der großen Männer und stand für einen kurzen Moment über den um ihn herum zu Scherben zerbrechenden Dingen. Dieser Tod festigte seinen Symbolcharakter und der tragische Held verkörperte nicht nur das Freiheitsideal aller Anhänger der Republik, sondern auch das der folgenden Generationen.

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10 Schluss 143

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143 10 Schluss Mommsen sagte über Cato, dass diesem zum Staatsmann „nicht mehr als alles“ fehlen würde (Bd. 4, S. 163) und Goar vertritt die Ansicht, Cato wäre „a failure as a politician and statesman“ (S. 2). Diese Eigenschaften, die Gelzer seinem Caesarbild zugeschrieben hatte, sind in der Tat nicht auf Cato übertragbar. Er erfüllte seine Ämter so wie seinen Platz im Leben als Pflicht, zu der ihn die Vor- sehung bestimmt hatte und folgte den Werten seiner Ahnen. Diese waren jedoch schon seit Sulla erwiesenermaßen nicht mehr fähig gewesen, den Ehrgeiz Ein- zelner im Staat zu kompensieren. Allerdings fällt diese rückwärtsgewandte Sichtweise des Historikers leichter als die zukunftsorientierte des Zeitgenossen und versetzte Montesquieu später in die durch den Gang der Jahrhunderte vor- teilhaft gewordene Lage, das Drama des catonischen Kampfes aus einem nüch- ternen Blickwinkel zusammenzufassen: „Wenn Caesar und Pompeius wie Cato gedacht hätten, so würden andere wie Caesar und Pompeius gedacht haben und die einmal zum Untergange bestimmte Republik wäre durch eine andere Hand in den Absturz gerissen worden.“404 Der Blick auf Cato war nach seinem Tod und in der Antike zum größten Teil positiv geprägt. Die romantische Vorstellung vom freiheitsliebenden Wider- standskämpfer, der für seine Ideale lieber in den Tod ging als zur ausgestreckten Hand Caesars, wurde erst mit dem christlichen Mittelalter relativiert, erlebte mit der letzten Hälfte der Frühen Neuzeit eine eigene Renaissance und wurde ab...

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