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Die Philosophie und die UNESCO

Mit einem Nachwort von Jacques Poulain- Im Auftrag der Deutschen UNESCO-Kommission aus dem Französischen übersetzt von Hans Jörg Sandkühler

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Patrice Vermeren

«Es gibt keine UNESCO ohne Philosophie» – so die programmatische Erklärung dieser 1945 mit dem Ziel dauerhaften Friedens entstandenen Weltorganisation. Ohne sich auf eine bestimmte Philosophie festzulegen, versteht sie sich als eine ‘philosophische Institution’: Sie will ihren Beitrag leisten durch Förderung der Zusammenarbeit zwischen den Völkern in Bildung, Wissenschaft und Kultur, um in der ganzen Welt die Achtung vor Recht und Gerechtigkeit, vor den Menschenrechten und Grundfreiheiten zu stärken. Es handelt sich um eine Zielsetzung, die mit Mitteln, die selbst philosophischer Natur sind, zur praktischen Anwendung einer Philosophie des Rechts, der Menschenrechte und der Universalgeschichte verpflichtet. In dieser Perspektive hat der Autor eine Geschichte der intellektuellen und institutionellen Beziehungen zwischen der UNESCO und der Philosophie seit 1945 verfasst.

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VI

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‹Uneskisch› – der Stil und die Sprache der UNESCO René Maheu ist die Entscheidung zu verdanken, in der UNESCO eine Philosophie-Abteilung zu eröffnen und zum 1. April 1966 Jeanne Hersch, Professorin für Philosophie an der Universität Genf, zur Direktorin zu er- nennen; sie hatte der Delegation ihres Landes bei der zwölften (1962) und dreizehnten (1964) Sitzung der Generalkonferenz angehört.35 René Maheu, seit 1962 Generaldirektor der UNESCO, hat Gedenkanlässe zu nutzen gewusst, um die Philosophie aufzuwerten; dies bezeugt seine Eröffnungsrede beim bedeutenden Kolloquium zur Aktualität Kierke- gaards (Kierkegaard vivant), das von der UNESCO vom 21. bis 23. April 1964 veranstaltet wurde und Jean-Paul Sartre, Gabriel Marcel, Lucien Goldmann, Martin Heidegger, Enzo Paci, Karl Jaspers, Jean Wahl und Niels Thulrup zusammenführte: «Das Werk Kierkegaards», führte er aus, «veranlasst uns alle zur Zurückweisung des bloß Gefälligen, der hohlen Worte und Abstraktionen, die Erklärungen vorgaukeln, ohne sich auf be- stimmte konkrete Erfahrungen zu beziehen. Und deshalb weigert sich die UNESCO, irgendeine Ideologie zu begünstigen; sie will im weitesten Sinne nur ein Ort der Konfrontation sein; sie ist es sich schuldig, sich an der Ehrung dessen zu beteiligen, dessen Spuren sich an fast allen Orten findet, an denen das moderne Denken seine Identität zu entdecken sucht».36 Maheu hatte für die Philosophie-Abteilung ein kühnes, ehrgeiziges Ziel: Er wünschte, sie könne die vielfältigen unterschiedlichen Aktivitäten der UNESCO stimulieren, bündeln und besser an die in der...

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