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Kehillah Kedoschah – Spurensuche

Geschichte der jüdischen Gemeinde in Friedberg- Auf den Spuren der Friedberger Juden von den Anfängen bis zur Gegenwart

Edited By Hans-Helmut Hoos

Nur der historisch aufmerksame Betrachter findet heute noch Spuren jüdischen Lebens in Friedberg in der Wetterau (heute: Hessen). Nach der Zerstörung der Synagoge am 10. November 1938 und der Deportation der letzten jüdischen Gemeindemitglieder am 15. September 1942 in die Gettos und Vernichtungslager ist kaum etwas von der 750 Jahre dauernden Geschichte der Juden in Friedberg erhalten geblieben. Detailreich und durch viele Zeitdokumente anschaulich aufbereitet, wird in diesem Buch rekonstruiert, wie sich jüdisches Leben durch die Jahrhunderte hinweg entwickelt hat, welchen Gefahren es ausgesetzt war, und wie es im 20. Jahrhundert schließlich vernichtet worden ist. Exemplarisch werden die Schicksale dieser Menschen beschrieben und die «Geschichten hinter der Geschichte» nachgezeichnet.

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6 Juden in Friedberg im 20. Jahrhundert 191

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191 „Ein vornehmer Däne sagte zu mir: Was wollen eigentlich die Deutschen mit ihrem Judenhaß? In meinem Vaterland liebt man die Juden fast allgemein. Man weiß von ihnen, daß sie die ver- lässlichsten Patrioten sind; man weiß, daß sie ein ehrenhaftes Privatleben führen; man achtete sie als eine Art Aristokratie. Was wollen die Deutschen? Ich hätte ihm antworten müssen. Den Haß. Ich hätte ihm antworten müssen: sie wollen einen Sündenbock. Immer, wenn es ihnen schlecht ergangen, nach jeder Niederlage, in jeder Klemme, in jeder heiklen Situation machen sie die Juden für ihre Verlegenheit verantwortlich. So ist es seit Jahrhunderten. Drohende Erbitte- rung der Massen wurde stets in diesen bequemen Kanal geleitet, und schon die Kurfürsten und Erzbischöfe am Rhein hatten, wenn ihre Waffengänge mißlungen und ihre Schatzkammern ge- leert waren, eine sicher funktionierende Regie in der Veranstaltung von Judenmetzeleien. Ich antworte aber: Ein Nichtdeutscher kann sich unmöglich eine Vorstellung davon machen, in welcher herzbeengender Lage ein deutscher Jude ist. Deutscher Jude; nehmen Sie die beiden Worte in vollem Nachdruck. Nehmen Sie sie als letzte Entfaltung eines langwierigen Entwick- lungsganges. Mit seiner Doppelliebe und seinem Kampf an zwei Fronten ist er hart an den Schlund der Verzweiflung gedrängt. Der Deutsche und der Jude.“ (Jakob Wasserman n, Mein Weg als Deutscher und Jude. Berlin 1987, S. 125 f.) 6 Juden in Friedberg im 20. Jahrhundert 6.1 Jahrhundertwende: Die Situation der Friedberger Juden 1900 Knapp hunde rt Jahre...

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