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Interkulturelle Kommunikation im Asylverfahren

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Martina Rienzner

Asylwerber müssen im Laufe eines Asylverfahrens ihre Erlebnisse wiederholt Beamten erzählen, denen der Herkunftskontext der Antragsteller überwiegend fremd ist. Wie gehen die beteiligten Akteure in diesem Setting mit kultureller Differenz um? Dieser Frage nachgehend, hat die Autorin von 2008 bis 2010 Verhandlungen am Unabhängigen Bundesasylsenat und Asylgerichtshof in Wien teilnehmend beobachtet und qualitative Interviews geführt. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass den Akteuren unterschiedliche sprachliche Mittel zur Verfügung stehen, um interkulturelle Missverständnisse zu vermeiden und gegenseitiges Verstehen herstellen zu können. Verständnissicherndes Handeln wird aber oft durch die vorzunehmende Glaubwürdigkeitsprüfung und die Asymmetrie zwischen den Beteiligten verhindert.

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1. Einleitung: Asylverfahren in Österreich 9

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    9 1. Einleitung: Asylverfahren in Österreich Seit 1951 haben 146 Staaten die Genfer Flüchtlingskonvention (GFK) unter- zeichnet und sich dadurch zum Schutz von Flüchtlingen verpflichtet. Ein Flücht- ling ist laut Artikel 1a der Konvention eine Person, die „(…) aus begründeter Furcht vor Verfolgung wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Über- zeugung sich außerhalb des Landes befindet, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzt, und den Schutz diesen Landes nicht in Anspruch nehmen kann oder wegen dieser Befürch- tungen nicht in Anspruch nehmen will.“ In vielen Ländern wurden zur Umsetzung der GFK eigene Verwaltungs- verfahren – Asylverfahren – eingerichtet, in welchen überprüft werden soll, ob die AntragstellerInnen die in der Konvention festgehaltenen Kriterien erfüllen und somit internationalen Schutz erhalten müssen (vgl. UNHCR [1979] 2003, 55). In Verwaltungsverfahren liegt die Beweislast üblicherweise bei dem/der jeweili- gen AntragstellerIn. Da von Flüchtlingen in der Regel aber nicht erwartet wer- den kann, dass sie ihr Vorbringen durch schriftliche Unterlagen oder andere Be- weisstücke belegen können, wird von AsylwerberInnen „nur“ die Glaubhaft- machung ihrer Verfolgung in Form einer Erzählung der Fluchtgründe und Reiseroute verlangt (vgl. Schuhmacher; Peyrl 2007, 184). Dies bringt zweierlei mit sich: Zum Einen besteht im Verfahren eine große Abhängigkeit von den Aussagen der AntragstellerInnen, welche potentiell bei Eintritt in das Verfahren über eine „große Darstellungsmacht“ (Scheffer 2001, 19) verfügen. Zum Ande- ren stellt aber die Glaubhaftmachung von Erfahrungen,...

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