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Politische Kultur und Theatralität

Aufsätze, Essays, Publizistik- Mit einem Vorwort von Joachim Fiebach

Gottfried Fischborn

Der Verfasser beschreibt und analysiert Elemente und Aspekte von Theatralität in der politischen Kultur Deutschlands zwischen 1990 und 2011. In diesem Sinne versteht sich das Buch als angewandte Theaterwissenschaft mit interdisziplinärem Bezug zur Politik- und Kommunikationswissenschaft. Dabei rücken vor allem die Schwierigkeiten und Widersprüche des deutschen Vereinigungsprozesses in den Focus. Die Theaterwissenschaft der DDR gab für das Diskursfeld «Theatralität» vor allem durch Rudolf Münz und Joachim Fiebach schon seit 1978 folgenreiche Anstöße. An Fiebachs kommunikationswissenschaftlich geprägtes Konzept schließt der Verfasser unmittelbar an. Die Studien und publizistischen Arbeiten werden ergänzt durch einige literaturwissenschaftliche, thematisch angrenzende Texte, unter anderem zu Peter Hacks, Heiner Müller, Alfred Matusche und Uwe Tellkamp.

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BRIEF AN EINEN MÄZEN

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Herrn Alberto Vilar New York City Leipzig, am 10. März 2004 Dear Mr. Vilar, meine Frau und alle unsere Freunde hoffen ebenso wie ich selbst, daß es Ihnen wieder besser geht. Zum Glück scheint es erste Anzeichen dafür zu geben, wenn wir das richtig sehen. Oder überschätzen wir dieses Signal aus Baden-Baden? Auf der Homepage des dortigen Festspielhauses – dem Ort, an dem Sie 2001 den „Europäischen Kulturpreis“ erhielten – wird immerhin verkün- det, daß Sie nach zweijähriger Unterbrechung wieder ins Sponsoring ein- steigen werden. Intendant Andreas Mölich-Zebhauser, dieser unverbesser- liche Optimist, ist sich nun sicher, 2004 werde „das erste große Opernjahr“ sein. Und man muß schon sagen, einer wie er, der, auch als es kriselte, als die Gelder ausblieben, zu Ihnen gehalten hat in Treue, der mitten aus der Talsohle in die ansonsten so überaus undankbare Landschaft hineinrief: „Ohne ihn hätte das Festspielhaus nicht überlebt“ – ein solcher Mann hat einen neuen Millionenfluß wahrhaftig verdient. Selbst wenn der neuerli- che Renditenzuwachs vorerst nur ein Rinnsal wäre! Ist er das? Oder hat der Ihnen ja gleichfalls wohl gesonnene Thomas Angy- an, Generalsekretär der Wiener Gesellschaft der Musikfreunde, mit seiner im vergangenen Herbst getroffenen Aussage inzwischen unrecht: „Wann Alberto Vilar seine Verpflichtungen wird erfüllen können, weiß niemand ... Dazu müßten die Aktienkurse in der New Economy wohl um einige hun- dert Prozent steigen.“ Der Mann dachte an seinen 29 Millionen teuren Er- weiterungsbau mit vier unterirdischen Sälen,...

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