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Politische Kultur und Theatralität

Aufsätze, Essays, Publizistik- Mit einem Vorwort von Joachim Fiebach

Gottfried Fischborn

Der Verfasser beschreibt und analysiert Elemente und Aspekte von Theatralität in der politischen Kultur Deutschlands zwischen 1990 und 2011. In diesem Sinne versteht sich das Buch als angewandte Theaterwissenschaft mit interdisziplinärem Bezug zur Politik- und Kommunikationswissenschaft. Dabei rücken vor allem die Schwierigkeiten und Widersprüche des deutschen Vereinigungsprozesses in den Focus. Die Theaterwissenschaft der DDR gab für das Diskursfeld «Theatralität» vor allem durch Rudolf Münz und Joachim Fiebach schon seit 1978 folgenreiche Anstöße. An Fiebachs kommunikationswissenschaftlich geprägtes Konzept schließt der Verfasser unmittelbar an. Die Studien und publizistischen Arbeiten werden ergänzt durch einige literaturwissenschaftliche, thematisch angrenzende Texte, unter anderem zu Peter Hacks, Heiner Müller, Alfred Matusche und Uwe Tellkamp.

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PROMETHEUS ZWISCHEN HOFSTADT UND DORF

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Vor 200 Jahren starb Johann Gottfried Herder 1769 verläßt der 25jährige Domprediger, Lehrer und Literat Johann Gott- fried Herder Riga, nie wird er die baltische Heimat wiedersehen. Die Schiffsreise geht über Helsingör nach Frankreich. Der literarische Ertrag, das erst 1846 postum veröffentlichte „Journal meiner Reise im Jahr 1769“, zählt zu den erstaunlichen Texten der deutschen Geistesgeschichte. Er ist ein Dokument des Aufbruchs. Nicht allein die theoretischen Grundlagen des deutschen Sturm und Drangs, sondern buchstäblich alle Aspekte auch des späteren Herderschen Denkens werden bereitshier gleichsam einge- kreist und als Programm für das eigene Lebens entworfen: Analyse und Kritik des Zeitalters – Suche nach den Triebkräften der Geschichte und ers- te Etablierung eines utopischen Humanums als Paradigma menschlichen Handelns – ein Poesiebegriff, der in der Schöpferkraft der Völker (schon hier unter ausdrücklicher Einbeziehung der Slawen und der Balten!) das eigentliche „Originalgenie“ erblickt – das neue Verständnis auch des indi- viduellen Künstlertums. Auf die zuletzt genannten beiden Aspekte möchte ich eingehen, mit dem Begriff des Künstlers beginnend. Der gilt dem Verfasser als „zweiter Prometheus“, als wirkender Repräsen- tant eines kreativen Menschentums schlechthin. In der Tat liest sich das „Journal“ auch stilistisch wie ein Prosa-Pendant zum Goetheschen „Prome- theus“. Es ist, eindeutiger als viele spätere Texte Herders, selbst die Schrift eines Künstlers, eines wahren Feuerkopfes. Am 18. Dezember 1803, vor genau zweihundert Jahren, ist Herder gestor- ben. Er hat das im „Journal“ skizzierte Lebensprogramm abgearbeitet: in dem grandiosen...

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