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Politische Kultur und Theatralität

Aufsätze, Essays, Publizistik- Mit einem Vorwort von Joachim Fiebach

Gottfried Fischborn

Der Verfasser beschreibt und analysiert Elemente und Aspekte von Theatralität in der politischen Kultur Deutschlands zwischen 1990 und 2011. In diesem Sinne versteht sich das Buch als angewandte Theaterwissenschaft mit interdisziplinärem Bezug zur Politik- und Kommunikationswissenschaft. Dabei rücken vor allem die Schwierigkeiten und Widersprüche des deutschen Vereinigungsprozesses in den Focus. Die Theaterwissenschaft der DDR gab für das Diskursfeld «Theatralität» vor allem durch Rudolf Münz und Joachim Fiebach schon seit 1978 folgenreiche Anstöße. An Fiebachs kommunikationswissenschaftlich geprägtes Konzept schließt der Verfasser unmittelbar an. Die Studien und publizistischen Arbeiten werden ergänzt durch einige literaturwissenschaftliche, thematisch angrenzende Texte, unter anderem zu Peter Hacks, Heiner Müller, Alfred Matusche und Uwe Tellkamp.

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CHRISTOPH HEIN

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I „Öffentlich arbeiten“ nannte sich eine 1987 in der DDR erschienene Sammlung essayistischer und rhetorischer Texte Christoph Heins (Jahr- gang 1944). Uns, seinen Lesern, erschien dieser Titel wie eine program- matische Forderung. Die meisten von uns Intellektuellen wollten dieses Land immer noch lieben – das wurde schwieriger, weil wir die Defizite von Jahr zu Jahr stärker empfanden und reflektierten. Der Mangel an Öf- fentlichkeit war das wohl wichtigste politisch-kulturelle Defizit dieser Ge- sellschaft, signifikant für die Abwesenheit von Demokratie und wirkungs- mächtiger Gedankenfreiheit. Christoph Hein aber nutzte wie wenige seine Position im „kulturellen Kräftefeld” (Bourdieu), um über das Empfinden und Reflektieren hinaus zu gehen: Öffentlichkeit immer wieder öffentlich einzufordern war sein Übergang zu kommunikativem Handeln. Es ist kein Zufall, daß gerade er auf dem letzten DDR-Schriftstellerkongreß die äu- ßerste Zuspitzung und Konkretion dieser Forderung nach Öffentlichkeit formuliert hat: „Das Genehmigungsverfahren, die staatliche Aufsicht, kür- zer und nicht weniger klar gesagt: die Zensur der Verlage und Autoren ist überlebt, nutzlos, paradox, menschenfeindlich, volksfeindlich, ungesetz- lich und strafbar.” /SK,36/ Aus diesen couragierten Worten geht zugleich eindrucksvoll hervor, in welchem Maße es für schriftstellerisches, überhaupt künstlerisches Tun existentiell geworden war, Teil von Öffentlichkeit werden zu können. Das galt für Dramatiker gewiß in besonderem Maße – ist doch das Medium, das ihre Texte aneignet und der Aneignung des Publikums überantwor- tet, das Theater, in seiner Existenzweise per se nur denkbar als unmittel- bar stattfindendes öffentliches Ereignis. Auch...

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