Show Less

Politische Kultur und Theatralität

Aufsätze, Essays, Publizistik- Mit einem Vorwort von Joachim Fiebach

Gottfried Fischborn

Der Verfasser beschreibt und analysiert Elemente und Aspekte von Theatralität in der politischen Kultur Deutschlands zwischen 1990 und 2011. In diesem Sinne versteht sich das Buch als angewandte Theaterwissenschaft mit interdisziplinärem Bezug zur Politik- und Kommunikationswissenschaft. Dabei rücken vor allem die Schwierigkeiten und Widersprüche des deutschen Vereinigungsprozesses in den Focus. Die Theaterwissenschaft der DDR gab für das Diskursfeld «Theatralität» vor allem durch Rudolf Münz und Joachim Fiebach schon seit 1978 folgenreiche Anstöße. An Fiebachs kommunikationswissenschaftlich geprägtes Konzept schließt der Verfasser unmittelbar an. Die Studien und publizistischen Arbeiten werden ergänzt durch einige literaturwissenschaftliche, thematisch angrenzende Texte, unter anderem zu Peter Hacks, Heiner Müller, Alfred Matusche und Uwe Tellkamp.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

MITTLERE SCHREIBBLOCKADE

Extract

Warum ich über „Amerikanisierung” schreiben wollte und nicht konnte Manchmal komme ich mir so amerikanisiert vor. Und dann werde ich, je nach Stimmungslage, mißtrauisch mir gegenüber oder stolz auf mich. Ich fühle mich in solchen Momenten erstaunlich up to date für mein Alter oder erstaunlich manipuliert für einen alten Linken. Kürzlich sollte ich einen kleinen Aufsatz über das Thema schreiben. Und das wollte ich auch. Vielleicht würde ich ja das Trauma meiner Unentschie- denheit dadurch los. Aber da setzte die Blockade schon ein: Sollte ich als stolzer, selbstbewußter Zeitgeistgenosse vor dem Computer sitzen oder sozusagen bloß als Genosse? („Sozusagen” sage ich, um meine Parteilo- sigkeit anzudeuten!) Um es mit dem hier angemessenen Pathos auszudrü- cken: als kleiner, jedoch tapferer Agent dieses endgültig amerikanischen 21. Jahrhunderts oder als ebenso tapferer Widerständler gegen kulturellen und sonstigen Imperialismus von jenseits des großen Teiches? Aber welche Grundhaltung ich schließlich auch einnehmen würde – ich entginge nicht der nächsten Schwierigkeit, über „Amerikanisierung” zu schreiben. Ich bin nämlich schon immer Leipziger, das muß ich einfach zugeben. Das setzt mich natürlich von vornherein dem Verdacht aus, zu jenen 74 Prozent Ostdeutscher zu gehören, die sich nicht einmal richtig auf Englisch verständigen können, und das Schlimmste daran ist: bei mir stimmt das! Ich kann nur darauf hoffen, daß sich bis zur heimatlichen Olympiade 2012 das Denglische als Verkehrssprache durchgesetzt hat. Im- merhin, mit meinem handy ein call center befragen,...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.