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Der Schriftsteller als Geschichtsschreiber und Ethnograph

Eine kulturwissenschaftliche Studie zu Uwe Timms "Morenga</I>

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Christine Ott

Aus kulturwissenschaftlicher Perspektive wird an Morenga von Uwe Timm untersucht, wie der Autor auf das kulturelle Wissen über Kolonialvergangenheit sowie Selbst- und Fremdbilder einzuwirken versucht. Die Studie arbeitet in einer umfassenden Kontextanalyse heraus, wie Timm in der Fiktion Historie umschreibt und die Leserschaft zu einer kritischen Sicht auf die deutsche Kolonialvergangenheit anleitet. Fast nebenbei wird dabei in Morenga die Gattung des historischen Romans erneuert. Weiterhin geht die Studie der Frage nach, welche Funktion Konzeptionen von Alterität und Identität im kolonialen Herrschaftsdiskurs einnehmen. Timm nimmt hier, wie gezeigt wird, postkoloniale Theoreme vorweg und verhandelt in der Figur Gottschalk Möglichkeiten und Grenzen des Fremdverstehens.

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1 Einleitung

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Die Befreiungsbewegungen der ‚Dritten Welt‘ wurden für die deutsche Studen- tenbewegung der 1960er Jahre zu einem zentralen Gegenstand der Auseinander- setzung. Mit dem Interesse an außereuropäischen Kulturen, an Modellen alterna- tiver Gesellschaftsordnung sowie der Solidarisierung mit jenen Befreiungsbe- wegungen rückte auch die koloniale Vergangenheit Deutschlands in den Fokus der Diskussion und Aktion. 1968 stürzten Hamburger Studierende das Denkmal des einstigen Kolonialgouverneurs Hermann von Wissmann, um ein Zeichen zu setzen gegen die noch immer verklärte und nicht aufgearbeitete Kolonialvergan- genheit. Für den Schriftsteller Uwe Timm, selbst an diesem symbolischen Akt beteiligt, war dies der Auslöser für die Arbeit an seinem Roman Morenga1 und Aufbruch zu einer „Reise in die deutsch-namibianische Geschichte, in eine zeit- liche und räumliche Ferne, die zugleich aber auch Selbsterkundung war.“2 Timm schickt seine Leserinnen und Leser in die Zeit des Wilhelminischen Kaiserreichs, das auf den afrikanischen Kontinent ausgreift. Mit der Reederei Woermann gelangen wir zusammen mit dem Protagonisten Gottschalk nach ‚Deutsch-Südwestafrika‘, das zu jener Zeit deutsches ‚Schutzgebiet‘, deutsche Kolonie war. Im Zentrum steht der Aufstand der Nama, die unter anderem in den Grenzen des heutigen Namibia lebten. Anfang des Jahres 1904 hatten sich bereits die Herero gegen die deutsche Vorherrschaft erhoben, viele von ihnen waren nach der Niederlage in der Schlacht am Waterberg auf der Flucht umge- kommen. Dieser Ausschnitt deutscher Geschichte hat das Interesse der Wissen- schaft erst im vergangenen Jahrzehnt auf sich gezogen, als sich das Ereignis zum 100. Mal jährte. Bis...

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