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Erfahrungen japanischer Entwicklungszusammenarbeit in Nepal

Interessen, Entwicklungsziele und internationale Normen

Jörg Kruth

In Nepal wirken heute, in der vorerst konsolidierten politischen Lage nach dem Bürgerkrieg, wieder zahlreiche japanische Akteure der Entwicklungszusammenarbeit. Jahrzehntelang waren staatliche ODA-Hilfsleistungen ein singuläres Instrument japanischer Außenpolitik. Diese Situation resultierte überwiegend aus der Abwesenheit eines westlich-privatrechtlichen Systems der Bürgerbeteiligung. Eine neue Generation von Organisationen verfolgt inzwischen nicht unumstritten normative Anliegen wie Demokratisierung, Empowerment, ökologische Zielsetzungen und die Sicherung materieller Ressourcen. Welche Motivationen, Bezugsrahmen und Praxisprobleme liegen ihrer Arbeit zu Grunde? Die Interviews des Autors mit Beteiligten vor Ort in Japan und Nepal gingen der Frage nach, ob eine international normierte Entwicklungszusammenarbeit sich wirklich über strukturelle und staatliche Einschränkungen hinwegzusetzen vermag.

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2 FORMEN JAPANISCHER ENTWICKLUNGSZIELE SEIT DER MEIJI-ZEIT

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Kulturelle Transformation und Umgestaltung der Gesellschaft seit Beginn des 19. Jahrhunderts haben in Japan tiefgehende Veränderungen hinterlassen. Insbe- sondere Produktions- und Konsumkultur, sowie die Verbreitung eines westlichen Lebensstils im neuen Bürgertum lassen sich durch die Auswirkungen der Um- bruchphase der Meiji-Zeit (1868-1912) und seiner Nachfolgeprozesse besonders detailreich illustrieren. Es war Foucault, der kritisierte, dass von der "Moderne oft als Epoche gesprochen wird, oder zumindest als eine Reihe von Eigen- schaften charakteristisch für eine Epoche; man legt sie auf dem Kalender fest, wo ihr eine mehr oder weniger naive oder archaische Vormodeme vorangeht und eine rät- selhafte und beunruhigende Postmoderne folgt. Und dann fragt man sich, ob die Mo- derne eine Folge der Aufklärung und ihre Weiterentwicklung darstellt oder ob man sie als Bruch oder als Abweichung bezüglich der grundlegenden Prinzipien des 18. Jahr- hunderts sehen soll." (Foucault 1990: 42) Es bleibt in diesem Zusammenhang zu fragen, ob wir die Moderne nicht eher als Haltung denn als Abschnitt der Geschichte ansehen sollten. Foucault hat diese Haltung als eine Form der Beziehung zur Aktualität, schließlich auch als eine Art des Denkens und Fühlens, auch eine Art des Handelns und Verhaltens be- schrieben. Sie sei eine Beziehung der Zugehörigkeit und stellt sich als Aufgabe dar, als „Bruch mit der Tradition, Gefühl der Neuheit, des Schwindels ange- sichts des Vergänglichen.“ (1990: 42) „Modern sein“ bedeutet hier aber nicht, diese fortdauernde Veränderung anzu- erkennen und anzunehmen, sondern eine bestimmte Haltung gegenüber...

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