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Der Geschichtsunterricht an Waldorfschulen

Genese und Umsetzung des Konzepts vor dem Hintergrund des aktuellen geschichtsdidaktischen Diskurses

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Markus Michael Zech

Fast 90.000 Schüler werden gegenwärtig in Deutschland an Waldorfschulen nach einem Geschichtslehrplan unterrichtet, der sich als Alternative zu den Curricula der Regelschulen versteht. Was aber leistet dieser welt- und kulturgeschichtlich orientierte Lehrplan mit seiner über 90jährigen Tradition im Zeitalter der Globalisierung? Wie verhält sich dieser Ansatz zu den modernen Bildungsanforderungen? Diesen Fragen geht der Autor in seiner Untersuchung nach, indem er das Konzept für den Geschichtsunterricht an Waldorfschulen vor dem Hintergrund des aktuellen geschichtsdidaktischen Diskurses um Weltgeschichte, Geschichtsbewusstsein und historische Kompetenz diskutiert. Dabei geht er ausführlich auf seine Genese, Struktur und Probleme ein und erschließt das Konzept so erstmals für die Erziehungswissenschaft bzw. Geschichtsdidaktik. Damit vermittelt er auch einen fundierten Einblick in das spezifische Lehrplan- und Bildungsverständnis der Waldorfschulen.

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2. Hintergrund und Rahmen des gegenwärtigen geschichtsdidaktischen Diskurses

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Es ist unübersehbar: Der Globalisierungsprozess mit seinen Rückwirkungen auf die Arbeitswelt ist heute der Hauptbezug für die Definitionen von Bildungsanforderun- gen. Interessanterweise steht dabei der Fachbereich Geschichte, der sich qua Defi- nition mit der Vielfalt der Kulturen und ihren Interdependenzen zu beschäftigen hat bzw. wesentliche Zugänge zu ihrem Verstehen vermitteln kann, eher im Abseits der Bildungsdebatte. Vielmehr wird der Kompetenzerwerb in den Bereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften als maßgeblich für erfolgreiche Teilhabe an Ökonomie und Gesellschaft gesehen. An das für den internationalen Vergleichstest PISA entwickelte Kompetenzmodell schließen fast alle Ausarbeitungen zu Kompe- tenz- und Standardorientierung an. So beziehen sich auch zahlreiche Beiträge aus der Geschichtsdidaktik jüngeren Datums auf den mit PISA identifizierten Paradig- menwechsel, der die Neuausrichtung der Lehrpläne nach Kompetenzerwerb, Bil- dungsstandards und Evaluationsverfahren zur Etablierung moderner Bildungsstan- dards nach sich zog.51 Insofern haben die PISA-Untersuchungen, die längst zum Symbolbegriff der aktuellen Diskussion über Bildungsqualität im Zeitalter des glo- balen Wettbewerbs avancierten, sich auch auf die Geschichtsdidaktik ausgewirkt. Dabei ist jedoch bemerkenswert, dass, anders als in der allgemeinen Debatte um Bildungsstandards, der geschichtsdidaktische Diskurs um Kompetenzmodelle und Standards kaum darauf Bezug nimmt, inwiefern ein moderner Geschichtsunter- richt in der vernetzten, sich in ihren Anforderungen schnell wandelnden Welt zur verbesserten Berufsqualifikation oder zur Optimierung der Chance zu gesellschaft- licher Teilhabe beiträgt, sondern sich vor allem auf die domänenspezifische Herlei- tung, also die Anknüpfung an den elaborierten Diskurs um historisches Denken konzentriert. Dies soll...

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