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Sozialsystem Literatur und Gegentext

Zu den Komödien von Andreas Gryphius und Christian Reuter

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Miodrag Vukcevic

Literarische Reflexionen auf Veränderungen von Mitte des 17. zum 18. Jahrhundert werden über kulturgeschichtlich verfestigte Motive diskutiert. ‘Sozialsystem Literatur’ versteht hier den sowohl theoretischen als auch praktischen Beitrag eines literarischen Diskurses zur Systematisierung geschichtlich aufgebauter sozialer Spannungen. Wegen der Nähe von Themen und Methoden zueinander werden kulturologische Aspekte mitberücksichtigt. Barockkomödien verstehen sich hierbei als ‘Gegentexte’ zu den großen Tragödien. Anhand der Beschreibung von Typisierungsprozessen in den Komödien von Andreas Gryphius und bei Christian Reuter wird die Ausbildung stereotyper Erscheinungen untersucht, ihr gesellschaftliches Belangen und Aufstieg zu ideellen Entwicklungsträgern.

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Einleitung

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Entsprechend allgemeingültigen Vorstellungen, gedachte Linien in der Zeit möchten die Orientierung in der chronologischen Abfolge von historischen Er- eignissen erleichtern, die Deutung und das Verstehen von deren Einfluss auf soziale Erscheinungen unterstützen, so ermöglichen sie weiterhin noch eine jeweils gewünschte Rezeption in einem vorab bestimmten sozialen Umfeld. Das 17. Jh. stellt gültigermaßen eine Übergangszeit dar, in der sich entscheidende Prozesse gesellschaftlicher Transformation herausbildeten, welche sonst der ersten Hälfte des 18. Jh. zugeschrieben werden. Nach dem Westfälischen Frieden erscheint das geistige Leben in Europa weiterhin von starken Kontrasten geprägt. Neben den damals immer noch zu spürenden Kriegsfolgen, dem nicht zu besiegenden Tod, bildeten sich als dann Verkehrsgemeinschaften aus, die einen Transfer von Inhalten erlaubten, zu- nächst innerhalb einer Sprachgemeinschaft, um darauf als Anknüpfungspunkte in einem kommunikativen Netzwerk einer europäischen Bildungselite zu funktionieren. Die Niederlande, Spanien, England, Frankreich, Italien – in allen Ländern, so auch auf deutschsprachigem Gebiet, äußert sich das Bedürfnis nach einer, wie es Christian Weise nennt, „Artzeney des Menschlichen Elends“, in der „sich das Gemüthe in leichten und gemeinen Possen erquicket.“1 Es ist vor allem eine Kontinuität der Inhalte, die nun erheitert und erfrischt einen neu an- geregten Prozess bezeugen, der durch eigene Traditionsbildung ein eigenspezi- fisches Reflexionsprinzip manifestiert. Die zur Barockzeit auf deutschsprachigem Gebiet geschriebenen Lustspiele sprich Komödien lassen sich allerdings nicht gänzlich losgelöst von den schauerlichen Staatsaktionen betrachten. Ein simples Lustspiel erscheint wie ein erleichtertes...

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