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Jüdische Nachbarschaften in New York

Eine Lektüre der lesbaren Spuren der «jüdischen Frage deutscher Art» in Uwe Johnsons "Jahrestage</I>

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Stefan Gädtke

«Es flaniert, das Kind.» Es ist diese randständige Aussage Mrs. Ferwalters, der gezeichneten Überlebenden der Shoah, die sie verschwörerisch lächelnd ihrer Nachbarin, der scham- und schuldbewussten Deutschen Gesine Cresspahl zuflüstert, in der Uwe Johnson eine Utopie eines noch möglichen deutsch-jüdischen Dialogs versteckt. Es ist diese Aussage, es ist das Flanieren, das eine nachlesbare Spur legt zu einer Antwort auf die «jüdische Frage deutscher Art». Genau dieser lesbaren Spur geht die Lektüre der Jahrestage nach und entdeckt den Schriftsteller Johnson als einen Flanierenden: Uwe Johnson ist ein Flaneur, der die Kunst des Spazierens von seiner jüdischen Nachbarin Hannah Arendt in New York gelernt hat.

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7. Jüdische Nachbarschaften in New York

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New York ist ein sehr grosses Berlin – soll mir auch recht sein, wenngleich ich in den letzten Jahren ein eingefleischter Pariser geworden bin. Hannah Arendt in einem Brief an Günter Stern Einmal hat sie mich ausdrücklich hinweisen müssen auf den Umstand, dass sie eine Jüdin ist: im Umgang mit ihr war es zu vergessen. Uwe Johnson: Mir bleibt nur, ihr zu danken Nichts geht über das Laut Denken mit einem Freunde. Gotthold Ephraim Lessing 7.1. Im Strom der Welt gebildet Jewish American Congress: eine Spur lesen Bedeutsam für das Konzept des flanierenden Lesens, für das detektivische Spurenlesen in den Jahrestagen ist außerdem, dass es im Unterschied zum ersten prüfenden Lesen nicht unbedingt mit dem Anfang des Textes, nicht von vorne beginnen muss, dass sich der Leser, da die Jahrestage in solcher Lektüre von einem diachronen Roman in ein synchrones, in ein gleichzeitiges Textgewebe, in einen textlichen Raum übertragen werden, nicht mehr an die kalendarische Chronologie, an die lesezeitliche Chronologie halten muss. Als flanierender Leser kann man vielmehr an jedem beliebigen Punkt, metaphorisch gesprochen, in den Text eintreten, ist man berechtigt, jedes Textstück als orientierenden Anhaltspunkt auf der zu schreibenden bzw. zu montierenden reading map zu markieren, und von ihm aus dann dialogisch im Textgewebe herumgehen oder wieder aus ihm hinaus gehen. So beginnt diese Lektüre der lesbaren Spuren nicht mit dem ersten Satz des Romans "Lange Wellen treiben schräg gegen den Strand" (JT, 7)1265, nicht einmal mit...

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