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Das Österreich der dreißiger Jahre und seine Stellung in Europa

Materialien der Internationalen Tagung in Neapel, Salerno und Taurasi (5.-8. Juni 2007)

Edited By Erich Fröschl, Francesco Saverio Festa, Tommaso La Rocca, Luigi Parente and Giusi Zanasi

Österreichs Entwicklung in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts ist keineswegs «tote Geschichte». Im Gegenteil, die Finanz- und Wirtschaftskrise unserer Tage, wachsende Medienkonzentration, Erosionserscheinungen der Demokratie und das Erstarken xenophober Rechtsparteien in vielen Ländern Europas lassen die Entwicklungen von damals heute wieder sehr aktuell erscheinen. Das zeigen die in diesem Sammelband enthaltenen 35 Beiträge italienischer, österreichischer und französischer WissenschafterInnen. Sie beschreiben interdisziplinär wesentliche Entwicklungen in Österreichs Gesellschaft, Wirtschaft, Politik, Ideenwelt und Kultur, die den Zeitgeist der dreißiger Jahre prägten. Wie bei einem Mosaik entsteht ein komplexes und farbiges Bild Österreichs in den dreißiger Jahren und seines Stellenwerts in Europa.

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PHILOSOPHIE UND POLITIK

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FRIEDRICH AUGUST VON HAYEK UND DIE AUFGABE DER THEORETISCHEN SOZIALWISSENSCHAFTEN Dario Antiseri 1. DIE SOZIALWISSENSCHAFTEN UND DER „GRUNDKONFLIKT“ ZWISCHEN INDIVIDUALISMUS UND KOLLEKTIVISMUS Der Gegensatz zwischen Individualismus und Kollektivismus bezeichnet einen grundlegenden Konflikt in der sozialwissenschaftlichen Theoriebildung. Sozialwis- senschaftliche Forschung (Soziologie, Ökonomie, Politikwissenschaft, Anthropo- logie, Sozialgeschichte, Rechtswissenschaft usw.) operiert in ihrer konkreten Ar- beit mit Begriffen wie den folgenden: „Gesellschaft“, „Partei“, „Wirtschafts- ordnung“, „Revolution“, „Klasse“, „Kapitalismus“, „Wählerschaft“, „Heimat“, „Heer“, „Menschheit“, „öffentliche Verwaltung“, „Fiskus“, „Staat“ usw. Das erste Problem, dem man sich in Bezug auf diese Kollektivbegriffe zu stellen hat, ist on- tologischer Natur: Was entspricht in der Realität Begriffen wie den eben erwähn- ten, also „Gesellschaft“, „Partei“ oder „Staat“? Während die Kollektivisten diesen Begriffen eine von den einzelnen Individuen unabhängige substanzielle Realität zuschreiben, verfügen die kollektiven Termini aus der Sicht der Individualisten über keine spezifische Realität. Letztere gehen davon aus, dass es sich dabei nur um Kürzel für Individuen oder Handlungen von Individuen handelt. Aus der unterschiedlichen Lösung der ontologischen Problemstellung ergibt sich eine ebenso unterschiedliche Auffassung des methodologischen Problems. Wenn man davon ausgeht, dass den Kollektivbegriffen substanzielle, von den Indi- viduen verschiedene und unabhängige Entitäten entsprechen, dann ist es die Auf- gabe des Sozialwissenschaftlers, Ursprung und Wandlungen dieser Entitäten („Partei“, „Staat“, „soziale Klassen“, usw.) zu untersuchen und unter Umständen Gesetzmäßigkeiten in Bezug auf deren Entwicklung zu entdecken. Wenn hingegen, wie die Individualisten meinen, nur den Individuen reale Existenz zugesprochen werden kann, dann müssen...

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