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Stegreifübersetzen

Überlegungen zu einer Grenzform der Translation am Beispiel des Sprachenpaares Französisch-Deutsch

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Christina Parkin

Bislang wurde das Stegreifübersetzen nur als Randerscheinung wahrgenommen und in der universitären Ausbildung oft stiefmütterlich behandelt. Mit diesem Buch soll Abhilfe geschaffen werden: Die Hybridform wird in ihren Varianten beschrieben, definiert und aus kommunikationstheoretischer sowie kognitionslinguistischer Perspektive mit den anderen Formen der Translation verglichen. Die Gegenüberstellung der Stegreifleistung von Übersetzern und Dolmetschern am Beispiel des Sprachenpaares Französisch-Deutsch gibt Aufschluss über die spezifischen Schwierigkeiten. Es werden die Kompetenzen zusammengestellt, die für eine gelungene Stegreifübersetzung erforderlich sind, und ein didaktischer Leitfaden für den Erwerb der Fertigkeiten entwickelt, die für das Übersetzen und Dolmetschen einen Mehrwert bieten.

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4 Kognitive Vorgänge beim Stegreifübersetzen

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In diesem Kapitel soll aus kognitionslinguistischer Perspektive geklärt werden, worin die Besonderheiten der Sprachverarbeitung beim Steg- reifübersetzen gegenüber den anderen Formen der Translation, vor allem dem Simultandolmetschen, liegen. Der Fokus liegt im Anschluss an die Schlussfolgerungen des vorangehenden Kapitels auf der Rezeptionspha- se sowie der Interdependenz von Rezeptionsphase und Produktionspha- se. Dazu werden in einem ersten Schritt das Sprach- und Textverständnis erläutert und dann kontrastiv die Unterschiede bei der akustischen und visuellen Rezeption von Texten herausgearbeitet. Im Anschluss wird ein Überblick über die Unterprozesse beim Lesen im Allgemeinen und im Translationskontext im Besonderen gegeben, um dann die Besonderhei- ten der Rezeption des schriftlich fixierten Ausgangstextes unter dem für die Stegreifsituation typischen Zeitdruck mit der hohen Belastung des Arbeitsspeichers zu beleuchten. Zuletzt folgt ein Überblick über die Ziel- textproduktion beim Stegreifübersetzen im Vergleich zum Simultandol- metschen, wobei vor allem die Auswirkungen der Simultaneität von Re- zeption und Produktion untersucht werden. 4.1 Vorbemerkung zum Sprachverstehen im Allgemeinen In der Kognitiven Linguistik wird die Sprachfähigkeit des Menschen so- wohl strukturell (als mentales Kenntnissystem) als auch prozedural (als Verarbeitungssystem) definiert; allerdings sind beide Aspekte eng mitei- nander verzahnt und werden zusätzlich noch durch die Berücksichtigung der mentalen Repräsentation des situativen Kontexts beeinflusst (vgl. Schwarz 2008:167). Die Sprachrezeption umfasst die Prozesse des Zuhörens und des Lesens, wobei das Zuhören als „primäre Fähigkeit“ gegenüber dem Lesen als einer „sekundären Kulturkompetenz“ (Günther/Ludwig 1996:902) be- trachtet wird....

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