Show Less

Ich als raumzeitliches Konstrukt

Die Fiktionen vom Leben der estnischen und deutschen Jugendlichen

Series:

Reet Liimets

In dieser Monographie wird Ich als ein raumzeitliches Phänomen bestimmt, indem die Autorin dem Problem Ich im Kontext verschiedener Disziplinen wie Philosophie, Psychologie, Soziologie, Literaturwissenschaft und Semiotik nachgeht. Als Ergebnis der theoretischen Analyse gelangt sie zur Neukonzeptualisierung des Konstrukts Ich. Das Ich wird als eine Einheit der synchronen und diachronen Raumzeiten aufgefasst. Im Lichte des theoretischen Kontextes und auf Grund der Analyse der literarischen Werke werden die Fiktionen vom Leben der Jugendlichen im sowjetischen Estland und in der Deutschen Demokratischen Republik konstruiert. Im Anschluss werden die Lebensfiktionen der Esten und Deutschen verallgemeinernd verglichen und interpretiert.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

EINLEITUNG

Extract

In verschiedenen humanwissenschaftlichen Disziplinen steht der Begriff Ich schon seit langem im Zentrum des Interesses. In sozialpsychologischen Ansätzen ist das Ich zum Beispiel, so Kay Deaux`(1992, S. 9), das Wort, das sehr häufig gebraucht wird. Nach den Analysen von Deaux` hat man in den sozialpsychologi- schen Aufsätzen während der Zeitperiode 1981–1990 den Begriff Ich wenigstens 36 445 Mal gebraucht. Das wachsende Interesse für die Ich-Problematik wird unter anderem mit allgemeinen soziokulturellen Entwicklungstendenzen begrün- det. Denn im Unterschied vom Sich-selbst-Präsentieren des sog. Yuppiezeitalters wird seit den Anfängen der 1980er Jahre mehr Aufmerksamkeit den inneren Werten geschenkt: Man ist auf der Suche nach dem sog. inneren Ich (Deaux 1992). Nach der deutschen Literaturwissenschaftlerin Sylvia Schwab (1981) kann man das anwachsende Interesse für das Ich auf übermä Wissenschaftlichkeit des Lebens im Allgemeinen zurückführen. Eben deswegen entstand in der deutschen Literatur gegen Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre des 20. Jahrhunderts eine Bewegung, die sich für Bewusstseins- und Gedächtnisprozesse interessierte (Schwab 1981). Es entstand eine neue Art des literarischen Erzählens, das man in der deutschen Literaturwissenschaft mit dem Begriff „Neue Empfindlichkeit“ bezeichnet. Die Neue Empfindlichkeit als Welt- wahrnehmungsweise war aber nicht nur für Literatur und Literaturwissenschaft, sondern auch für Soziologie, Psychologie, für Erziehungswissenschaften usw. charakteristisch. Die Neue Empfindlichkeit charakterisieren Merkmale wie Spon- taneität, Anti-Institutionalisierung, alternative Lebensformen, Natürlichkeit, Inte- resse für Phantastische und Irrationale, für Gefühle und psychische Prozesse...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.