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Simulierte Narration und literarische Wahrhaftigkeit

Entwirklichtes Erzählen in der Moderne

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Michaela Sänger

Die Studie beschäftigt sich mit der Entwicklung des Erzählens in der Nachfolge des Nouveau Roman. Auf die Zerstörung der traditionellen Romanstruktur erfolgt eine oftmals nur vordergründige Rückkehr zum Erzählen. Anhand der Analyse einzelner Romane wird gezeigt, dass Nouveau Roman und «neuer Realismus» unterschiedliche literarische Antworten auf eine sich verändernde Lebenswirklichkeit sind. Die Arbeit bezieht die außerliterarische Wirklichkeit mit ein, die sich durch eine zunehmende Virtualisierung kennzeichnet. Das Sekundärerleben als Grunderfahrung der Moderne artikuliert sich in einem Erzählen, das die Entwirklichung in seine Gestaltung aufnimmt.

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II. Beiträge zur Intermedialitätsforschung

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Während Lyotard die Postmoderne in der Abgrenzung zur Moderne noch als Ort charakterisiert, in dem „der Zerfall der großen, rechtfertigenden Erzählungen der Moderne“ den Weg „für das narrative Gewebe des Alltagslebens“ freigibt,95 rü- cken medial geprägte Erzählkonventionen als wichtiges Charakteristikum der Postmoderne zunehmend in den Mittelpunkt der Betrachtung.96 Immer häufiger wird der direkte Zusammenhang zwischen den medialen Veränderungen der Moderne und der Veränderung im Erzählen erkannt und thematisiert.97 Bereits 1988 konstatiert Klaus Bartels in dem gleichnamigen Aufsatz das „Altern der Literatur durch den Medienwechsel im 19. und 20. Jahrhundert“ das Verschwinden der Fiktion durch die Photographie.98 Generell 95 Vgl. Bolz 1992: S. 104f. Nach Lyotards Konzept wird das Wissen der postmodernen Welt nicht mehr hauptsächlich in Erzählform vermittelt. 96 Vgl. auch Niklas Luhmann, der von einer „unentwirrbaren Durchmischung realer Reali- tät und fiktionaler Realität“ spricht. (Luhmann 1996: S. 148.) Tschilschke stellt in seiner Abhandlung einen deutlichen Konsens in Bezug auf die tief- greifenden Veränderungen in den 80er Jahren fest, die nach Gelz als „Epochenschwelle der Gegenwartsliteratur“ bezeichnet wird. Vgl. Tschilschke 2000: S. 15: „Unter dem Kulturminister Jack Lang erfährt die Alltags- und Massenkultur eine starke Förderung (...) Grundlegende Veränderungen vollziehen sich insbesondere bei den audiovisuellen Medien. Durch die Einführung des Privatfernsehens, des ersten Pay-TV-Senders ‚Canal Plus‘ (1984) (...) entstehen nicht nur zahlreiche neue Programme, sondern auch neue Kunstformen (Videoclip) und Rezeptionsgewohnheiten (Zapping). Nicht zu vergessen ist dabei die rasche Verbreitung des...

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