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Simulierte Narration und literarische Wahrhaftigkeit

Entwirklichtes Erzählen in der Moderne

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Michaela Sänger

Die Studie beschäftigt sich mit der Entwicklung des Erzählens in der Nachfolge des Nouveau Roman. Auf die Zerstörung der traditionellen Romanstruktur erfolgt eine oftmals nur vordergründige Rückkehr zum Erzählen. Anhand der Analyse einzelner Romane wird gezeigt, dass Nouveau Roman und «neuer Realismus» unterschiedliche literarische Antworten auf eine sich verändernde Lebenswirklichkeit sind. Die Arbeit bezieht die außerliterarische Wirklichkeit mit ein, die sich durch eine zunehmende Virtualisierung kennzeichnet. Das Sekundärerleben als Grunderfahrung der Moderne artikuliert sich in einem Erzählen, das die Entwirklichung in seine Gestaltung aufnimmt.

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III. Zum Begriff der Virtualität

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Obwohl der Begriff der Virtualität bereits seit Aristoteles als ein der Wirklich- keit inhärenter Sachverhalt begriffen wird126, stellt die technische Reproduzier- barkeit von Welt im ausgehenden 20. Jahrhundert ein absolutes Novum im Um- gang mit Realitäten dar. Das Verhältnis des Menschen zur Wirklichkeit verän- dert sich damit mit dem Medienzeitalter radikal. Die Virtualität als ein Bestand- teil der Realität wird abgelöst von einem Interferieren simultan existierender, technisch herstellbarer Räume. War die Literatur stets ein Medium der Sicht- barmachung, der Herstellung von fiktiven Räumen, die sich immer auf eine au- ßerliterarische Realität beziehen, so kollidiert sie in der Moderne mit weiteren medial reproduzierbaren, vorgeblich realen Räumen. Diese Räume werden als freie Gestaltung einer als defizitär empfundenen kruden Realität der Wirklich- keit gegenübergestellt. In erstaunlicher Schnelligkeit hat sich der Terminus der Virtualität zu einem Modewort und „passe-partout“ der Moderne entwickelt. Im Zeitalter der Com- putertechnologie und des Cyberspace muss dieser Begriff, der auf den engli- schen Terminus „virtual reality“ zurückgeht, für Erklärungsmodelle der mensch- lichen Entwicklung in ihren verschiedensten Ausprägungen herhalten. Man spricht vom Einläuten einer neuen medialen Epoche, die die „Revolution der Techniken des Denkens”127 nach sich zieht, einer neu geschaffenen Existenz- form mit veränderten Wahrnehmungsstrukturen, einem veränderten Umgang mit Informationen – und zwangsläufig neuen ethischen Fragestellungen – dies alles versucht dieser Begriff zu deuten. Der Versuch, Virtualität zu definieren, läuft zum einen Gefahr, sich...

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