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Die «klassische Reitkunst»

Ideologie und Wirklichkeit – Konstanz und Wandel - Teil 1 und 2

Heinz Meyer

Die Arbeit expliziert die Bemächtigung des Menschen über das Pferd als die Basis der anthropologisch, kultursoziologisch und kulturhistorisch relevanten Mensch-Pferd-Beziehung. An die grundsätzliche Erörterung der Nutzung des Pferdes als Zug- und Reittier schließt sich die historische Darstellung an, zunächst die der Funktion des Pferdes in Antike und Mittelalter. Besonders detailliert informiert das Buch über die neuzeitlichen Lehrschriften zur Ausbildung des Reitpferdes. Diese Explikation reicht bis in die Gegenwart, bis zu den Richtlinien für den internationalen Hochleistungssport, den Reitlehren der sogenannten alternativen Szene und veterinärwissenschaftlichen Aussagen zur Nutzung des Pferdes. Kritisch beschreibt und deutet der Autor die diversen Auffassungen über die Ausbildung und die Nutzung des Pferdes unter dem Sattel. Ausdrücklich hebt er seine Analyse von den ideologischen Darstellungen der sogenannten «klassischen Reitkunst» ab. Neben den die Epochen überdauernden Auffassungen werden die Veränderungen und auch die Widersprüche benannt. Die verbreitete Überzeugung von einer einzig wahren, zeitunabhängigen und bis in die griechische Antike zurückreichenden Lehre identifiziert der Autor als ein ideologisches Konstrukt.

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III. Die Entwicklung der sogenannten "klassischen" Reitlehre in der Neuzeit

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1. .Vorbemerkungen zur allgemeinen Entwicklung der Hohen Schule, zu ihrer Orientierung an Xenophons Lehre und zu ihrem militärischen Zweck Aus der Antike und aus dem Mittelalter liegen, wie zuvor expliziert, nur wenige Aus- sagen zur Theorie des Reitens vor. Die Nutzung des Pferdes in diesen Epochen war daher nicht zuletzt aufgrund der geschichtlichen Quellen und Zeugnisse über die Praxis zu erörtern. Die Quellen und die Zeugnisse bedurften der Interpretation; sie wa- ren auf Schlüsse und auch auf Vermutungen angewiesen. Die begrenzte Anzahl von Quellen und Zeugnissen sowie deren begrenzte Aussagekraft und deren begrenzte Ab- sicherung führten unter anderem dazu, vielfältige Hinweise auf die Nutzung des Pfer- des zu berücksichtigen. Aus diesem Bestreben resultierte eine relativ breite Schilde- rung der Nutzung des Pferdes, das heißt die Beschreibung der Nutzung in ihren diver- sen Modi. Bei den folgenden Aussagen über die Neuzeit kann und wird anders verfahren werden. Hier sollen nicht in erster Linie Quellen und Zeugnisse zur Praxis der Nutzung gedeu- tet, sondern die Aussagen der Reitmeister expliziert werden. Primär wird hier also die Theorie der Nutzung behandelt, nur mit einigen Anmerkungen die Praxis. Das heißt: Die Darstellung geht von der Lehre aus und weist nur in Einzelfällen auf deren prakti- sche Umsetzung hin. Zudem wird nur noch das Reiten thematisiert, das heißt, der Dienst des Pferdes als Zugkraft und weitere Modi der Nutzung bleiben unberücksich- tigt. Bei der Beschränkung auf das Reiten ist allerdings nicht zu ignorieren:...

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