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Warum Verben grün sind

Autismus und Spracherwerb unter Einbezug von Intersubjektivitätstheorien und neurophysiologischen Erkenntnissen

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Susanne Ott

Susanne Ott erarbeitet die Entstehung und den Verlauf von Autismus als einer pränatalen Störung im Stammhirnbereich mit Folgen in der Organisation und der Funktion der sich nachfolgend ausbildenden Systeme. Betroffen sind primär die intrinsische soziale und dialogische Gerichtetheit des Menschen sowie die Ausbildung von Empathiefunktionen und von Sprache. Den theoretischen Rahmen bildet Lurijas neuropsychologische Konzeption der raumzeitlichen Organisation des Gehirns und, konsequenterweise, der darauf aufbauenden Sprachprozesse. Die bekannten Diagnosekriterien werden in Vygotskijs Theorem «Defekt und Kompensation» eingebettet, wodurch Autismus als divergierender Entwicklungsverlauf menschlichen Seins eine neue Gewichtung und Würdigung erfährt.

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2 Aspekte zum Autismus

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2.1 Zur Definition und Diagnose Es ist anzunehmen, dass Autismus ebenso alt ist wie die Menschheit selbst. Erst seit der Einführung der Schrift jedoch gibt es Belege für seine Exis- tenz. So weist Frith (1990) auf so genannte heilige Narren in Russland zu Beginn der Neuzeit hin, wie u.a. den 1584 verstorbenen Simon von Jurev. Diese Menschen zeichnen sich durch Persönlichkeitsmerkmale aus, die mit den heutigen Beschreibungen von Autismus übereinstimmen. Der Begriff ‚Autismus‘ leitet sich ab von gr. Αὐτός: „selbst, für sich“ und dem Suffix „-mus“: „das Bestreben nach ...“, er bedeutet also: „das Bestreben, für sich zu sein“. Dieser Begriff wurde 1911 vom Schweizer Psychiater Eugen Bleuler geprägt, der die Symptome, nämlich die Zurück- gezogenheit und das Eingekapseltsein in die eigene Welt, als Grundstock der Schizophrenie betrachtete. Im ICD-104 (Dillinger, H. & Freyberger, H. J. 2008, S. 295/6) wird früh- kindlicher Autismus als tief greifende Entwicklungsstörung definiert, die durch „a) eine abnorme oder beeinträchtigte Entwicklung, die sich vor dem drit- ten Lebensjahr manifestiert [und] b) ein charakteristisches Muster abnormer Funktionen in den folgenden drei psychopathologischen Bereichen: – der sozialen Interaktion, – der Kommunikation und – im eingeschränkten stereotyp repetitven Verhalten“ gekennzeichnet ist. Weiterhin „zeig[t] sich häufig eine Vielzahl unspezifi- scher Probleme wie Phobien, Schlaf- und Ess-Störungen, Wutausbrüche und (autodestruktive) Aggression” (ebd.). 4 ICD-10: International Classification of Disease: Internationales Klassifikations- manual psychischer Krankheiten, herausgegeben von der Weltgesundheitsorgani- sation 34 Diagnostische Kriterien spezifizieren diese Punkte: Zum Bereich der sozialen Interaktion wird...

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