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Warum Verben grün sind

Autismus und Spracherwerb unter Einbezug von Intersubjektivitätstheorien und neurophysiologischen Erkenntnissen

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Susanne Ott

Susanne Ott erarbeitet die Entstehung und den Verlauf von Autismus als einer pränatalen Störung im Stammhirnbereich mit Folgen in der Organisation und der Funktion der sich nachfolgend ausbildenden Systeme. Betroffen sind primär die intrinsische soziale und dialogische Gerichtetheit des Menschen sowie die Ausbildung von Empathiefunktionen und von Sprache. Den theoretischen Rahmen bildet Lurijas neuropsychologische Konzeption der raumzeitlichen Organisation des Gehirns und, konsequenterweise, der darauf aufbauenden Sprachprozesse. Die bekannten Diagnosekriterien werden in Vygotskijs Theorem «Defekt und Kompensation» eingebettet, wodurch Autismus als divergierender Entwicklungsverlauf menschlichen Seins eine neue Gewichtung und Würdigung erfährt.

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4 Aspekte zur Sprache

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4.1 Was ist Sprache? Sprache ist ein Codesystem auf unterschiedlichen Ebenen. Nach Arbib (2005) gibt es im Gehirn nicht nur eine Grammatik für Rezeption und Pro- duktion, sondern, wie in Abbildung 5 dargestellt, eine ‚direkte Grammatik‘ für die Produktion und eine ‚umgekehrte Grammatik‘ für die Rezeption. Jackendoff (2002, zit. nach Arbib 2005, 108) bietet eine ‚Kompetenztheo- rie‘ an und schlägt Strategien für einen 'two-way-dialogue' zwischen Kom- petenz und Performanz vor. Dieser Vorschlag zeichnet sich durch das Zu- sammenspiel phonologischer, syntaktischer und semantischer Repräsenta- tionen aus: Als Grundlage für die Sprachproduktion dienen die kognitiven Struktu- ren, von denen einige Aspekte für den möglichen Ausdruck gewählt wer- den. Weitere Auswahl und Transformation gliedern die semantischen Abbildung 11: Perzeption und Produktion von Sprache (aus: Arbib 2005, 107) 74 Strukturen (als hierarchisch organisierte Konstituenten), die Objekte, Handlungen und Beziehungen ausdrücken. Sie konstituieren eine semanti- sche Form, die durch die Verbindung zu den Schemata zur Wahrnehmung und Handlung bereichert wird. Die semantischen Formen werden durch Wörter, die wiederum aus einer phonologischen Form bestehen, ausge- drückt. Bei der Wahrnehmung wird der Satz semantisch interpretiert, das Er- gebnis reskribiert die kognitiven Strukturen des Empfängers. So zeigt eine visuelle Handlung einen bestimmten, nicht linguistischen Handlungsob- jektrahmen in kognitiver Form an. Im Gegensatz dazu ist eine Prädikat- Subjekt-Struktur eine offensichtlich linguistische Repräsentation in seman- tischer Form. Die Produktionsgrammatik für Sprache ist folglich ein spezi- fischer Mechanismus, der Prädikat-Subjekt-Strukturen in Reihen von...

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