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Warum Verben grün sind

Autismus und Spracherwerb unter Einbezug von Intersubjektivitätstheorien und neurophysiologischen Erkenntnissen

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Susanne Ott

Susanne Ott erarbeitet die Entstehung und den Verlauf von Autismus als einer pränatalen Störung im Stammhirnbereich mit Folgen in der Organisation und der Funktion der sich nachfolgend ausbildenden Systeme. Betroffen sind primär die intrinsische soziale und dialogische Gerichtetheit des Menschen sowie die Ausbildung von Empathiefunktionen und von Sprache. Den theoretischen Rahmen bildet Lurijas neuropsychologische Konzeption der raumzeitlichen Organisation des Gehirns und, konsequenterweise, der darauf aufbauenden Sprachprozesse. Die bekannten Diagnosekriterien werden in Vygotskijs Theorem «Defekt und Kompensation» eingebettet, wodurch Autismus als divergierender Entwicklungsverlauf menschlichen Seins eine neue Gewichtung und Würdigung erfährt.

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5 Resümee der bisherigen Ausführungen

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In diesem Kapitel werden relevante Fakten aus den Erörterungen zu Au- tismus, zum Spracherwerb und zum kognitiven Embodiment aufgegriffen und – im Zusammenhang mit den jeweils dominierenden hirnphysiologi- schen Ebenen – als Momente eines zeitlichen Prozesses dargestellt. Dem folgend wird dieser Prozess in die eingangs erläuterte systemische Ebene eingebettet. Schon von Geburt an besteht und funktioniert das kognitive Embodi- ment. In der nachgeburtlichen Zeit ist die rechte Hemisphäre, die für die Verarbeitung emotionaler und motivationaler Prozesse zuständig ist, domi- nierend. Vom 3.-8. Monat an werden Selbst-, Fremd- und Objektbewusst- sein integriert. Diese Inkorperiertheit ist mit dem Eintreten der Verände- rungsangst (dem IV. sensomotorischem Stadium nach Piaget) beendet. Mit ca. neun Monaten wird die Mutter-Kind-Dyade durch den Erwerb der ge- teilten Aufmerksamkeit zur Person-Person-Objekt-Triade erweitert. Im Al- ter von ca. einem Jahr ist das kognitive System getrennt, zu diesem Zeit- punkt präsidiert der orbito-frontale Bereich. Dies ist der erste Handlungs- raum des Kindes, er ist räumlich wie auch zeitlich strukturiert. Jetzt greift das Handlungssystem in das kognitive System ein. Kinder geben in Form von handelnden Spielen, den Rollenspielen, kognitiven Prozessen Aus- druck. Dabei handeln sie unwillkürlich grammatisch im wörtlichen Sinne, sie ordnen zeitliche Geschehnisse hierarchisch an. Mit dem Erwerb von Sprache löst sich die sprachliche Handlung aus dem Handlungssystem her- aus, dies beinhaltet die gleichzeitige Herauslösung der Sprachgrammatik aus der Handlungsgrammatik. In diesem Stadium präsidiert die linke He- misphäre. 90 Abbildung 12: Die Beeinträchtigung verschiedener Entwicklungsverläufe (eigene...

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