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Warum Verben grün sind

Autismus und Spracherwerb unter Einbezug von Intersubjektivitätstheorien und neurophysiologischen Erkenntnissen

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Susanne Ott

Susanne Ott erarbeitet die Entstehung und den Verlauf von Autismus als einer pränatalen Störung im Stammhirnbereich mit Folgen in der Organisation und der Funktion der sich nachfolgend ausbildenden Systeme. Betroffen sind primär die intrinsische soziale und dialogische Gerichtetheit des Menschen sowie die Ausbildung von Empathiefunktionen und von Sprache. Den theoretischen Rahmen bildet Lurijas neuropsychologische Konzeption der raumzeitlichen Organisation des Gehirns und, konsequenterweise, der darauf aufbauenden Sprachprozesse. Die bekannten Diagnosekriterien werden in Vygotskijs Theorem «Defekt und Kompensation» eingebettet, wodurch Autismus als divergierender Entwicklungsverlauf menschlichen Seins eine neue Gewichtung und Würdigung erfährt.

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6 Möglichkeiten zur Stärkung der Kommunikation

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Bevor ich in diesem abschließenden Kapitel mögliche Lösungsansätze dar- stelle, möchte ich einige Gedanken äußern, die sich mir bei der Erarbeitung dieses Themas gebildet haben: Bettet man die erläuterten Fakten in das eingangs vorgestellte Konzept von Defekt und Kompensation ein, so ergibt sich ein neuer Blick auf Au- tismus: Den primären Defekt stellt die pränatale Entwicklungsstörung so- wohl des Systems der Selbstorganisationsprozesse als auch des da- raus hervorgehendem System von Selbst und Anderem, das sich kör- perlich als IMF und EMS manifestiert. Der sekundäre Defekt zeigt sich als verschiedene Störungen in der Genese sich nachfolgend ausbildender Strukturen und Funktionen. Dabei stellt die Beeinträchtigung des Spiegelneuronensystems und somit der Sprache einen Teilbereich dessen dar, ein anderer sind bspw. die motorischen Schwierigkeiten. Als tertiärer Defekt im Sinne einer positiven Regulierung kann z.B. die Konzentration auf bestimmte eingeschränkte Bereiche genannt werden, durch die eine ökonomische Nutzung des Gehirns gewähr- leistet wird. Dissoziationsmechanismen, wie von Williams (2005) beschrieben, gelten als Beispiel für einen pathogenen Kompensa- tionsverlauf. Hierzu zählt außerdem das Diagnosekriterium ‚auto- destruktive Aggression‘: Betroffene bewahren ihr Selbst durch sehr starke taktile Einwirkung auf den eigenen Körper. In dieser Weise stellen sie in Situationen, in denen unterschiedliche sensorische oder psychische Systeme nicht zuverlässig verfügbar sind, verlässliche Reize her (gleichzeitige Wahrnehmung von Motorik und Schmerz); sie vollziehen somit eine basale Art von Realitätskonstruktion. Die Erklärung von Autismus durch Trevarthen...

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