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Probleme und Perspektiven sprechwissenschaftlicher Arbeit

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Edited By Ursula Hirschfeld and Lutz Christian Anders

Die Sprechwissenschaft entwickelt für das sprachlich-sprecherische Handeln von Menschen eine fachspezifische Problemsicht und eigenständige Lösungsansätze, die zugleich immer interdisziplinär geprägt sind. Ihre Arbeitsbereiche sind breit gefächert, sie reichen von klinischen Diagnose- und Therapieverfahren über rhetorische und sprechkünstlerische Fragestellungen bis zu normphonetischen Gegenständen und zur Sprachsynthese. Die hier zusammengestellten Publikationsfassungen von Vorträgen, die zu Ehrenkolloquien für Frau Prof. Dr. Eva-Maria Krech und Herrn Prof. Dr. Eberhard Stock gehalten wurden, und weitere Studien zu aktuellen Forschungsarbeiten, beinhalten grundsätzliche Überlegungen zur Positionsbestimmung und zu den Perspektiven einzelner sprechwissenschaftlicher Teildisziplinen. Sie zeigen die engen Zusammenhänge und Berührungspunkte der sprechwissenschaftlichen Teilbereiche und verschiedener benachbarter Wissenschaftsdiziplinen.

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Christiane Ulbrich Fo-Deklination in den Standardvarietäten der deutschsprachigen Schweiz und der Bundesrepublik 161

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F0-Deklination in den Standardvarietäten der deutschsprachigen Schweiz und der Bundesrepublik Christiane Ulbrich, Ulster Die vorliegende Analyse zur Deklination wurde im Rahmen einer vergleichen- den Untersuchung prosodischer Merkmale schweizerdeutscher, deutscher und österreichischer Standardsprecher durchgeführt (vgl. Ulbrich 2005). Die Dekli- nation ist eine spezifische Falltendenz der Grundfrequenz (F0) in gesprochenen Äußerungen. Im fachwissenschaftlichen Diskurs der Prosodieforschung konnte bisher nicht geklärt werden, worauf dieses prosodische Merkmal zurückzufüh- ren ist. Eine Vielzahl von Publikationen im Bereich der Prosodieforschung widmet sich unter Berücksichtigung verschiedener Bedingungen (z.B. Situation, Sprechstil, Varietät, Satzmodus) der Beschreibung der Fo-Deklination. Dennoch besteht ein reger Argumentationsaustausch zwischen Vertretern unterschiedli- cher Forschungsrichtungen hinsichtlich des Ursprungs der Fo-Deklination. In hierarchisch organisierten Superpositionsmodellen wird der graduelle Abfall der Fo als Ergebnis artikulatorisch-physikalischer Prozesse und von Sprachpla- nungsvorgängen verstanden (vgl. Möbius 1993; Fujisaki 1983). In sequentiellen Modellen der Intonationsphonologie resultiert der sukzessive Abfall der Tonhö- he aus dem Verhältnis lokaler tonaler phonologischer Muster zueinander (vgl. Pierrehumbert 1979, Gussenhoven et al. 1992). Die Grundannahmen beider Richtungen der Prosodieforschung werden in Abschnitt 1 kurz erläutert. Übereinstimmung besteht in der Annahme der Fo-Deklination als sprachenunab- hängig universales, prosodisches Merkmal. Die Ausprägung der Fo-Deklination ist jedoch als dialekt- und sprachenspezifisches Merkmal nachgewiesen worden. Ebenfalls wurden Abhängigkeiten der Fo- Deklination vom Äußerungstyp (spon- tansprachliche und reproduzierte Äußerungen) und vom Satzmodus (deklarative und interrogative Äußerungen) beobachtet. Beispiele dafür werden in Abschnitt 1.1 gegeben. Ungeklärt blieb bisher, in welchen linguistischen Einheiten die...

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