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Das Recht auf den eigenen Tod und aktive Sterbehilfe unter verfassungsrechtlichen Gesichtspunkten

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Ulrike Bernert-Auerbach

Die Arbeit leitet das Recht auf den eigenen Tod aus der apriorischen Menschenwürde her. Dabei werden die Wurzeln der Menschenwürde, die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts und die verschiedenen Literaturmeinungen analysiert. Das Ergebnis überträgt die Autorin auf Menschen mit unheilbaren Krankheiten, welche psychisch gesund den Entschluss gefasst haben, nicht mehr leben zu wollen, diesen jedoch nicht mehr ohne die Hilfe Dritter umsetzen können. Die Zulässigkeit aktiver Sterbehilfe wird auf verfassungsrechtlicher Ebene, unter Beachtung der Schutzpflichten des Staates und der Eingriffsthematik in Grundrechte, diskutiert. Im Zusammenhang mit der Patientenverfügung stellt die Arbeit dar, dass selbst bei Zulässigkeit aktiver Sterbehilfe diese nicht mittels antizipierten Willens gefordert werden könnte.

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2. Kapitel

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I. Die Menschenwürde 1. Einleitung Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Ver- pflichtung aller staatlichen Gewalt. So steht es in Art. 1 des Grundgesetzes. Was auf den ersten Blick als klar, selbstverständlich und frei jeder Auslegungsnotwen- digkeit erscheint, stellt sich auf den zweiten Blick als Problem jeden Rechtsanwen- ders dar, da Verständnis, Auslegung und Konkretisierung von Art. 1 Abs. 1 S. 1 GG über den Normalfall der Interpretation unbestimmter, offener Normen, insbesondere des Verfassungsrechts, hinausgehen309. Dies liegt unter anderem auch daran, dass der Menschenwürdesatz in einer weltanschaulich neutralen Rechtsordnung Geltung unabhängig eines bestimmten Glaubens, einer bestimmten Ethik oder philosophi- schen Schulrichtung, beanspruchen soll310. Die Fülle an Literatur zu diesem The- ma erscheint unerschöpflich, was nicht zuletzt auch dem Umstand geschuldet sein mag, dass der Satz von der Menschenwürde mit zweieinhalbtausend Jahren Philo- sophiegeschichte belastet ist311. Vor der großen Spannbreite des Prinzips von der Menschenwürde sollte jedoch nicht zurückgeschreckt, sondern im Gegenteil, sie als Chance des Verstehens begriffen werden312. Da den Argumenten der Befürworter und Gegner Aktiver Sterbehilfe, welche sich jeweils auf die Menschenwürde berufen, nachgegangen werden soll, stellt sich die Frage nach deren geschichtlichen Wurzeln, bevor innerhalb des nächsten Kapitels eine Begriffsbestimmung innerhalb unseres Grundgesetzes versucht werden kann. Bis zur rechtlichen Institutionalisierung der Menschenwürde war es ein langer Weg. Und trotz der 60 – jährigen Geschichte unseres Grundgesetzes ist immer noch um- stritten, ob, und wenn...

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