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Der Todesbegriff im Strafrecht

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Marie-Sophie von Thannhausen

Was ist als Tod des Menschen im strafrechtlichen Sinne anzusehen? Seit der angeregten Diskussion über den menschlichen Tod rund um das Gesetzgebungsverfahren zum Erlass eines Transplantationsgesetzes in den 90iger Jahren war es insgesamt, und so auch in der (Straf-) Rechtswissenschaft, ruhiger um die Frage nach dem Ende des menschlichen Lebens geworden. Doch nicht zuletzt das Positionspapier des amerikanischen President’s Council on Bioethics «Controversies in the Determination of Death» aus dem Jahre 2008 und die Reformdiskussion in Bezug auf das Transplantationsgesetz (2011/2012) haben gezeigt: Die Frage nach dem Ende des menschlichen Lebens bleibt eine immerfort aktuelle Grundsatzproblematik des menschlichen Daseins. Gerade das Strafrecht als «schärfster Hüter des Lebensschutzes» ist in besonderem Maße gefordert, sich ihr zu stellen. So hat die Untersuchung den Versuch unternommen, unter Berücksichtigung verschiedener herausgearbeiteter Aspekte (u. a. anhand einer ausführlichen Erörterung diverser (medizin-)strafrechtlicher Fallkonstellationen wie der (postmortalen) Organentnahme von Hirntoten) einen angemessenen Todesbegriff für das Strafrecht zu finden. Der Blick in andere Rechtsgebiete diente dabei insbesondere dazu, den strafrechtlichen Horizont zu erweitern und den zunächst an rein strafrechtlichen Kriterien orientierten Todesbegriff auf seine Konsistenz (u. a. Stichhaltigkeit, Schlüssigkeit, Vertretbarkeit) im Hinblick auf die Erkenntnisse aus anderen Rechtsgebieten zu überprüfen.

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F. Verfassungsrechtliche Aspekte: Gesamthirntod und GrundgesetzVerfassungsrechtlich

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163 F. Verfassungsrechtliche Aspekte: Gesamthirntod und Grundgesetz Verfassungsrechtlich hat die Frage nach dem Todesbegriff des Menschen ihren Sitz im Schutzbereich des Art. 2 II 1 1. Alt. GG.844 Das Grundrecht auf Leben reicht nur so weit, wie der Tod noch nicht eingetreten ist.845 Das Leben des Men- schen endet mit dem Tod, mit ihm der Schutz des Art. 2 II 1 1. Alt. GG. Mithin ist fraglich, wann der Tod des Menschen eintritt und der Schutz anderer Grund- rechte, insbesondere des postmortalen Persönlichkeitsrechts aus Art. 2 I i. V. m. Art. 1 I GG, welcher freilich auf einer ganz anderen Ebene liegt,846 zum Tragen kommt. I. Verhältnis Strafrecht – Verfassungsrecht bei der Suche nach dem Todesbegriff Dass das Strafrecht seinen Maßstab und seinen Rahmen im Grundgesetz findet und daher mit diesem naturgemäß sehr stark verknüpft ist, dürfte eine Selbst- verständlichkeit sein, die von niemandem ernsthaft bestritten wird bzw. werden kann.847 Doch, wo wirkt sich dieses enge Verhältnis zwischen dem Grundgesetz, namentlich den Grundrechten, und dem Strafrecht bei der Frage nach dem straf- rechtlichen Todesbegriff aus? Wie spielen hier Verfassungsrecht und Strafrecht zusammen, wo ist der dogmatische Anknüpfungspunkt, an dem bildlich gespro- chen, das Verfassungsrecht bei dieser Frage in das Strafrecht „einfließt“? 844 Und eben nicht auf der Eingriffsebene wie von Klinge, Todesbegriff, 123 richtig festgestellt. 845 Statt vieler Di Fabio, in: Maunz/Dürig, GG Kommentar, Art. 2 Abs. 2 Rn. 17. 846 So schon Roxin, Lebensschutz im Strafrecht. Einführung und...

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