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Blickpunkte der Germanistik

Literatur- und Kulturwissenschaft, Linguistik und Fremdsprachendidaktik

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Edited By Lucyna Krzysiak

Der Band versammelt Beiträge, die ein breites Spektrum germanistischer Forschung abdecken. Aufsätze zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur von Ursula Krechel, Jenny Erpenbeck, Ruth Klüger, Friedrich Christian Delius und Ingo Schulze sind ebenso vertreten wie auch ein Beitrag zur Geschichte des deutschen Stadttheaters im besetzten Lublin (Polen) im Zweiten Weltkrieg. Neben der Literatur- und Kulturwissenschaft liegt ein weiterer Schwerpunkt des Bandes auf Fragestellungen der Linguistik. Hier sind Themen wie intertextuelle Relationen in Weblogs, paraverbale Ausdrücke in Comics, Perspektiven-Divergenzen im Dissens und metakommunikative Elemente im Kontext (fremdsprachiger) Interaktion vertreten. Abschließend werden im Bereich der Fremdsprachendidaktik neue Standards für die Lehrerbildung in Polen präsentiert.

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Literatur- und Kulturwissenschaft

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Holocaust und Exil der deutschen Juden in Ursula Krechels Shanghai fern von wo und Jenny Erpenbecks Heimsuchung Izabella Golec „Das ist hier dein Erbe, sagt der Senior“ (Erpenbeck 2008, S. 58). Arthur – Ludwigs Vater – meinte damit das Grundstück am Scharmützelsee, das er in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts seinem Sohn Ludwig geschenkt hat, wo die ganze Familie an einem Sommertag eine Weide gepflanzt hat, sicher in der damals nicht mehr berechtigten Hoffnung, in der Zukunft unter der Weide fröh- liche Stunden verbringen zu können. Solche Hoffnungen durften jüdische Fami- lien in der vor der Tür stehenden Zeit der Arisierungen nicht mehr pflegen. Der Senior hat die Nazizeit und die daraus für ihn und seine Familie entstandene Ge- fahr nicht richtig und nicht rechtzeitig eingeschätzt und auch nicht überlebt. Arthur spricht hier über das Erbe in der juristischen Bedeutung der Hinter- lassenschaft, überzeugt, dass sein Sohn das Grundstück nach seinem Tod erbt. Obwohl von dem Nachbarsgrundstück eines Berliner Architekten „heil“ als Be- grüßung gut vernehmbar wird, plant der Vater eine schon in diesem Augenblick nicht mehr realisierbare Erbfolge. Das Erbe, das auf seinen Sohn lauert, bedeutet Familienverlust, fremd sein in einem fernen exotischen Land und Identitäts- und Sicherheitssturz. Ludwigs Schicksal, aber auch Schicksale anderer Familien, die mit einem Haus am Scharmützelsee verbunden waren, werden von Jenny Er- penbeck in Heimsuchung thematisiert. Für die vorliegende Untersuchung ist aber der Erbebegriff von Bedeutung, wie ihn Pierre Bourdieu gebraucht...

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