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Das Jenaer Studium der Rechte im Dritten Reich

Zwischen Tradition und nationalsozialistischer Ideologie

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Stefan Wolf

Die im Dritten Reich durch Justizausbildungs- und Eckhardtsche Studienordnung veränderte Juristenausbildung bewirkte sowohl eine inhaltliche wie strukturelle Neukonzeption des Rechtsstudiums. Das Werk geht der Frage nach, wie sich das – stets von Missklängen begleitete – Reformwerk in der Praxis bewährte und welche Auswirkungen es auf die Juristenausbildung im Dritten Reich zeitigte. Beispielhaft wurden Lehrbücher und Vorlesungen an der Friedrich-Schiller-Universität Jena sowie die Erste juristische Staatsprüfung am Prüfungsamt I des Thüringischen Oberlandesgerichts ausgewertet. Im Ergebnis gilt, dass trotz äußerer Übernahme der Reformgedanken sich – soweit fachbedingt möglich – auch weiterhin Teile der bisherigen Ausbildungstradition erhalten konnten.

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Einleitung

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Die Geschichte der Juristenausbildung ist eine Geschichte ständiger Reformen. Das Aporem eines in Umfang und Inhalt allseits anerkannten Studiums der Rechtswissenschaften stellt angesichts der ungeheuren Stofffülle und der damit verbundenen Unübersichtlichkeit der Prüfungsanforderungen seit über einhun- dert Jahren ein beliebtes Dauerdiskussionsthema dar. Der Wechsel von födera- tiven Staatsstrukturen zu einem zentralistisch ausgerichteten Einheitsstaat im Jahre 1933 führte auch in der Juristenausbildung zu erneuten Veränderungen. Erstmals wurde durch eine reichsweit einheitliche Rechtsausbildung das Stu- dium standardisiert und zugleich versucht, es aus seinen traditionellen Bahnen durch die von den Nationalsozialisten geschaffenen Regelungen von Justizaus- bildungs- und Studienordnung zu lösen. Vergleicht man die Studienpläne von 1931 und 1935, so ist ein in Aufbau und Inhalt vollkommen neu strukturiertes Studium augenscheinlich. Fächerbe- zeichnungen und Gliederungen differieren in außerordentlicher Weise. Es stellt sich daher die Frage, welchen konkreten Änderungen die Fachausbildung un- terworfen war und welche Auswirkungen diese in der Praxis zeitigten. Folgte – plakativ formuliert – nach der Revolution auf der Straße auch eine Revolution in den Hörsälen? Die folgende Untersuchung gliedert sich in zwei Teile. Im ersten Abschnitt er- folgt eine Schilderung der Entwicklung des Studiums der Rechtswissenschaf- ten im Dritten Reich mit den Justizausbildungsordnungen von 1934 und 1939, der Studienordnung von 1935 und der Kriegsreform von 1944. Der zweite Teil geht der Frage nach, wie die durch die Ausbildungsreform eingetretenen Veränderungen in der Praxis Fuß fassten und inwieweit sie Ein- fluss auf Vorlesungen und Prüfungen nahmen. Dabei wurden...

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