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Literarische Konstruktionen autobiographischer Subjektivität in der «nouvelle autobiographie»

Samuel Beckett – Nathalie Sarraute – Claude Simon

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Christiane Sauer

Ausgehend von den Essais Montaignes und den Confessions Rousseaus, untersucht die Arbeit Prämissen neueren autobiographischen Schreibens in Frankreich unter Referenz auf zeitgenössische französische Theoriebildungen. Die aus dem nouveau roman hervorgehende nouvelle autobiographie setzt sich aus dokumentarischen bzw. biographischen, (meta-)fiktionalen und (meta-)reflexiven Textfragmenten zusammen, in deren Montage sich die Brüchigkeit und Fragwürdigkeit von Identität spiegelt. Der Hauptteil geht der Frage nach, wie Samuel Beckett, Nathalie Sarraute und Claude Simon in Abkehr von der anti-subjektivistischen Poetik des nouveau roman in ihren zur nouvelle autobiographie zählenden Texten Compagnie, Enfance und Le Jardin des Plantes neue Formen autobiographischer Subjektivität konstituieren. Diese ergibt sich aus dem Zusammenspiel von (Meta-)Reflexion des Schreibprozesses, Werkaufarbeitung und Sprachkonzeption der Autoren und wird im Text in einem performativen Akt ästhetisch realisiert. Die im Text generierte autobiographische Subjektivität verweist nicht mehr auf den Autor als empirische Person, sondern auf eine ästhetische Konzeption, durch die sich ein Künstlersubjekt definiert.

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2 Montaigne und Rousseau: Referenztexte der französischen Autobiographie

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Als Schlüsseltexte der französischen Autobiographie wird im Folgenden kurz auf die Essais von Montaigne sowie die Confessions von Rousseau eingegan- gen. Beide Texte üben großen Einfluss auf das autobiographische Schreiben der Nouveaux Romanciers aus: Obwohl Montaigne Essais und keine Autobiographie verfasste, hat seine Form der Ich-Rede die französische Autobiographie bis heute inspiriert. Auch Claude Simon nimmt in Le Jardin des Plantes explizit Bezug auf die Essais, indem er seinem autobiographischen Text ein Zitat aus Montaignes Essais vor- anstellt. Die Confessions Rousseaus haben die Autobiographieforschung stark ge- prägt, insbesondere Lejeunes Theorie des autobiographischen Paktes. Lejeune hat seine Definition der Autobiographie in Anlehnung an die Confessions Rous- seaus entwickelt, die für ihn Maßstab und Ausgangspunkt allen autobiographi- schen Schreibens sind, eine Einschätzung, an der er auch in seinem 2005 er- schienenen Folgewerk Signes de vie: Le pacte autobiographique 2, in dem er seine eigene Forschungsarbeit autobiographisch aufarbeitet und sein Hauptwerk Le pacte autobiographique in Teilen korrigiert, festhält.7 Diese Haltung hat seither für eine rege Kontroverse gesorgt. Nicht zuletzt die autobiographischen Texte der Nouveaux Romanciers, die Lejeunes Theorie als unzeitgemäß empfinden und diese als Gegenfolie bei der Entwicklung eige- ner, individueller Formen des autobiographischen Ausdrucks verwenden, haben die Reflexion über Möglichkeiten und Grenzen des autobiographischen Aus- drucks weiterentwickelt. 2.1 Skeptische Auseinandersetzung mit der eigenen Identität: Montaignes Essais Die 1580 in der ersten Teil-Ausgabe erschienenen Essais Montaignes gehen aus Überlegungen und Anmerkungen zu seiner Lektüre antiker Autoren hervor. In den folgenden...

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