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Literarische Konstruktionen autobiographischer Subjektivität in der «nouvelle autobiographie»

Samuel Beckett – Nathalie Sarraute – Claude Simon

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Christiane Sauer

Ausgehend von den Essais Montaignes und den Confessions Rousseaus, untersucht die Arbeit Prämissen neueren autobiographischen Schreibens in Frankreich unter Referenz auf zeitgenössische französische Theoriebildungen. Die aus dem nouveau roman hervorgehende nouvelle autobiographie setzt sich aus dokumentarischen bzw. biographischen, (meta-)fiktionalen und (meta-)reflexiven Textfragmenten zusammen, in deren Montage sich die Brüchigkeit und Fragwürdigkeit von Identität spiegelt. Der Hauptteil geht der Frage nach, wie Samuel Beckett, Nathalie Sarraute und Claude Simon in Abkehr von der anti-subjektivistischen Poetik des nouveau roman in ihren zur nouvelle autobiographie zählenden Texten Compagnie, Enfance und Le Jardin des Plantes neue Formen autobiographischer Subjektivität konstituieren. Diese ergibt sich aus dem Zusammenspiel von (Meta-)Reflexion des Schreibprozesses, Werkaufarbeitung und Sprachkonzeption der Autoren und wird im Text in einem performativen Akt ästhetisch realisiert. Die im Text generierte autobiographische Subjektivität verweist nicht mehr auf den Autor als empirische Person, sondern auf eine ästhetische Konzeption, durch die sich ein Künstlersubjekt definiert.

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6 Tod und Rückkehr des Autors

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Ricardou versucht in seiner Generatorentheorie ein literarisches Verfahren zu entwickeln, das sich allein auf die Produktivität der Sprache stützt und dessen Resultat, ein ausschließlich selbstreferentieller Text, einen travail à partir de rien darstellt, wie er während des Kolloquiums in Cerisy-la-Salle formulierte.179 Julia Kristeva definierte in ihrem 1967 erschienenen Aufsatz Bakhtine, le mot, le dialogue et le roman den Autor als den Punkt, an dem verschiedene lite- rarische und kulturelle Diskurse zusammenlaufen.180 Die vom Autor hervorge- brachten Texte drücken keine von ihm intendierte Bedeutung aus, beruhen nicht auf seiner Kreativität, sondern stellen lediglich ein intertextuelles Diskursge- flecht dar, das der Interpretation des Lesers zur Bedeutungsentfaltung bedarf, die sich jedoch in einem nie abzuschließenden Prozess unendlich fortsetzt. Der Text selbst, in den der Autor keinen Sinn mehr hineinschreiben kann, wird von Kristeva als produktiv beschrieben: „[...] tout texte se construit comme mosaï- que de citations, tout texte est absorption et transformation d'un autre texte“.181 Der Text erschafft sich, laut Kristeva, selbst durch die Bezugnahme auf ihm vo- rausgehende Diskurse. Die Theorien von Ricardou und Kristeva setzen die produktive Dynamik der Sprache ins Zentrum der Textgenese und streben nicht nur die Überwindung ei- nes dem Text vorausgehenden Sinns an, sondern die Auslöschung des Autors als einer Instanz des Textes. 6.1 Der Tod des Autors: Barthes Roland Barthes formuliert in Anknüpfung an Kristevas Theorie in Le bruisse- ment du langage eine Sprachwahrnehmung, die die Sprache als unabhängiges, sich der Kontrolle durch den Autor entziehendes...

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