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Männlichkeitskonstruktionen im Nationalsozialismus

Formen, Funktionen und Wirkungsmacht von Geschlechterkonstruktionen im Nationalsozialismus und ihre Reflexion in der pädagogischen Praxis

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Anette Dietrich and Ljiljana Heise

Männlichkeitskonstruktionen im Nationalsozialismus wurden von der Geschichtswissenschaft bisher kaum beachtet. Dieser Band zeigt das Erkenntnispotenzial der Analysekategorie Geschlecht auf, indem er die Wirkungen von Männlichkeitskonstruktionen auf politischer und struktureller Ebene sowie als Handlungs- und Deutungsmuster herausarbeitet. In den Beiträgen werden methodisch und theoretisch innovativ Männlichkeitskonstruktionen in verschiedenen NS-Täterorganisationen untersucht. Zudem fragen sie im Kontext der NS-Verfolgung danach, welche (rassifizierten) Fremdzuschreibungen, aber auch Selbstermächtigungsstrategien mit Männlichkeitskonstruktionen verbunden waren. Repräsentationen und Deutungen von Männlichkeiten und ihre Auswirkungen nach 1945 werden darüber hinaus ebenso in den Blick genommen wie Entwürfe einer geschlechterreflektierten und heteronormativitätskritischen pädagogischen Praxis.

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Geleitwort (Lerke Gravenhorst)

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Geleitwort Lerke Gravenhorst Angesichts der jahrzehntelangen internationalen Forschung zum NS und der zahl- reichen öffentlichen Debatten kann man den Eindruck gewinnen, dass es zu die- sem Thema nichts grundlegend Neues mehr zu sagen gäbe, dass der National- sozialismus in seinen wesentlichen Dimensionen ‚auserzählt‘ wäre. Dieses Buch verdeutlicht hingegen, dass der Nationalsozialismus auch im Hinblick auf zentrale Elemente noch längst nicht abschließend erforscht ist – auch fast 70 Jahre nach dem Ende des NS-Regimes noch nicht. Bislang wurde der Nationalsozialismus noch viel zu wenig als bewusst reflektierte Geschichte spezifischer Gruppen von Männern und der sie leitenden kulturellen Identitäts- und Handlungsmuster von Männlichkeit analysiert. Die Frauenbewegung und die durch sie mit angestoßene Frauenforschung ha- ben das Erzählen der NS-Geschichte als Frauengeschichte und als Geschichte von Weiblichkeiten in den letzten Jahrzehnten schon relativ weit vorangebracht.1 Die Darstellung der NS-Geschichte als Männergeschichte und Geschichte von Männ- lichkeiten steht hingegen praktisch noch am Anfang. Letztlich ist es notwendig, beide Geschichten in einer übergreifenden NS-Geschichte als Geschlechterge- schichte miteinander zu verknüpfen, da sie mit Notwendigkeit aufeinander verwei- sen.2 Obwohl sowohl Frauen als auch Männer für das Hervorbringen und für die Verbrechen des Nationalsozialismus verantwortlich sind, stellt die NS-Männer- geschichte doch den weit signifikanteren Teil der NS-Geschichte dar – gemessen an der größeren Geschichtsmächtigkeit, die der Gesamtgruppe der Männer zuge- schrieben werden muss. Jene Verbrechen anzuordnen und auszuführen, lag über- wiegend in den Händen von Männern,...

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