Show Less

Männlichkeitskonstruktionen im Nationalsozialismus

Formen, Funktionen und Wirkungsmacht von Geschlechterkonstruktionen im Nationalsozialismus und ihre Reflexion in der pädagogischen Praxis

Series:

Anette Dietrich and Ljiljana Heise

Männlichkeitskonstruktionen im Nationalsozialismus wurden von der Geschichtswissenschaft bisher kaum beachtet. Dieser Band zeigt das Erkenntnispotenzial der Analysekategorie Geschlecht auf, indem er die Wirkungen von Männlichkeitskonstruktionen auf politischer und struktureller Ebene sowie als Handlungs- und Deutungsmuster herausarbeitet. In den Beiträgen werden methodisch und theoretisch innovativ Männlichkeitskonstruktionen in verschiedenen NS-Täterorganisationen untersucht. Zudem fragen sie im Kontext der NS-Verfolgung danach, welche (rassifizierten) Fremdzuschreibungen, aber auch Selbstermächtigungsstrategien mit Männlichkeitskonstruktionen verbunden waren. Repräsentationen und Deutungen von Männlichkeiten und ihre Auswirkungen nach 1945 werden darüber hinaus ebenso in den Blick genommen wie Entwürfe einer geschlechterreflektierten und heteronormativitätskritischen pädagogischen Praxis.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Teil II: Wirkungen, Repräsentationen und Deutungen von Männlichkeitskonstruktionen

Extract

Teil II Wirkungen, Repräsentationen und Deutungen von Männlichkeitskonstruktionen Männlichkeiten ins Bild gesetzt. Geschlechteranalytische Überlegungen zu einem Amateurfoto aus dem Polenfeldzug Corinna Tomberger Abstract The article focuses on a photograph, taken on one of the first days of the Second World War. The relationship between its two central figures, a German soldier and a male civilian, is analyzed referring to notions of race and gender. The analysis reveals how dominantly soldierly masculinity is displayed by racializing and de-masculinizing the subdued male counterpart. As part of an al- bum, the photo had been incorporated in a visual narrative of massive military violence against civilians. Performing the male conqueror thus can be interpreted as a gendered gratification which may have encouraged German soldiers to perpetrate racialized violence. Amateurfotos aus dem Zweiten Weltkrieg gilt seit der Diskussion um die Ausstel- lung Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941–1944 ein verstärktes wissen- schaftliches Interesse.1 Dass zahlreiche Wehrmachtssoldaten trotz wiederholter Verbote Fotografien von Erschießungen, Erhängungen und anderen Verbrechen deutscher Kriegsakteure anfertigten und bei sich trugen, ist nach wie vor ein verstö- render Befund.2 Dies hat grundsätzliche Fragen nach der subjektiven Bedeutung der Fotos für deren Urheber aufgeworfen, nach deren Motiven, Fotos von Verbre- chen anzufertigen respektive aufzubewahren.3 Amateurfotos sind als eine Quel- lengattung in den Blick gerückt, die Auskunft über Sichtweisen deutscher Kriegs- teilnehmer auf den nationalsozialistischen Eroberungs- und Vernichtungskrieg geben kann, etwa wenn auf Fotos antisemitische Perspektiven sichtbar werden.4 Da zahlreiche Amateurfotos verbrecherisches Handeln deutscher Kriegsakteure...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.