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Männlichkeitskonstruktionen im Nationalsozialismus

Formen, Funktionen und Wirkungsmacht von Geschlechterkonstruktionen im Nationalsozialismus und ihre Reflexion in der pädagogischen Praxis

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Anette Dietrich and Ljiljana Heise

Männlichkeitskonstruktionen im Nationalsozialismus wurden von der Geschichtswissenschaft bisher kaum beachtet. Dieser Band zeigt das Erkenntnispotenzial der Analysekategorie Geschlecht auf, indem er die Wirkungen von Männlichkeitskonstruktionen auf politischer und struktureller Ebene sowie als Handlungs- und Deutungsmuster herausarbeitet. In den Beiträgen werden methodisch und theoretisch innovativ Männlichkeitskonstruktionen in verschiedenen NS-Täterorganisationen untersucht. Zudem fragen sie im Kontext der NS-Verfolgung danach, welche (rassifizierten) Fremdzuschreibungen, aber auch Selbstermächtigungsstrategien mit Männlichkeitskonstruktionen verbunden waren. Repräsentationen und Deutungen von Männlichkeiten und ihre Auswirkungen nach 1945 werden darüber hinaus ebenso in den Blick genommen wie Entwürfe einer geschlechterreflektierten und heteronormativitätskritischen pädagogischen Praxis.

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Teil III: Männlichkeitskonstruktionen in Konzentrationslagern zwischen Selbstermächtigung und Fremdzuschreibung

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Teil III Männlichkeitskonstruktionen in Konzentrationslagern zwischen Selbstermächtigung und Fremdzuschreibung Boxen im Konzentrationslager. Erzählmuster und Interpretationen Veronika Springmann Abstract Based on analysis of the movie Triumph of the Spirit by Robert M. Young – which retells the story of Greek boxer Salomo Arouch – the essay sheds light on the phenomenon of boxing in concen- tration camps. In many concentration camps, stories of prisoner boxing matches have been re- ported. Here, questions of masculinity, violence and power were raised. These matches were usu- ally organised by or for the SS. For the prisoners, being a boxer meant a temporary improvement of living conditions: more food, protection from high-risk labor commandos, etc. At the same time participation in matches involved the constant risk of being killed. „Ich habe mich durchs Leben geboxt!“, resümierte der jüdische Boxer und Holo- caust-Überlebende Bully Salem Schott in einem Gespräch mit dem Historiker Kon- rad Kwiet.1 Der Berliner war Mitglied im Boxteam des jüdischen Sportvereins Makkabi. Inhaftiert in Sachsenhausen und 1942 nach Auschwitz-Monowitz depor- tiert, absolvierte er viele Boxkämpfe in diesen Konzentrationslagern. „Ich hatte Glück mit den Boxern“, erinnerte sich Wieslaw Kieslar in seinem Überlebens- bericht Anus Mundi.2 „Ich bekomme eine Zulage, weil der Kapo weiß, daß mein Bruder ein berühmter Boxer war. […] Übrigens, ich habe diesen Sport auch betrie- ben. Er hat mich gern, weil die Kapos im allgemeinen nur die gesunden und star- ken Menschen achten.“3 Boxer genossen Erinnerungsberichten zufolge in den Konzentrationslagern ein gro...

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