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Von «Die Tartarn in Ungarn» bis zu «Moderne Helden»

Ungarisch-deutsche Dramenübersetzungen in der Habsburgermonarchie und ihre Ungarnbilder

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Zita Veit

In der deutschsprachigen Literatur bildete sich Anfang des 19. Jahrhunderts ein romantisches Ungarnbild heraus, das mit der Trias Liebe, Wein und Freiheit beschrieben werden kann. Inwieweit diese Wahrnehmungs- und Repräsentationsschemata in den ungarisch-deutschen Dramenübersetzungen der Habsburgermonarchie unterstützt bzw. mitkonstruiert wurden, zeigt die Analyse der Peritexte dieser Übersetzungen. Auch das Korpus der publizierten ungarisch-deutschen Dramenübersetzungen des 19. Jahrhunderts wird erarbeitet, wobei die Übersetzer und Übersetzerinnen sowie ihr Umfeld ebenso erforscht werden. Diese Forschungsarbeit zeigt die Wurzeln einer noch immer aktuellen Wahrnehmung Ungarns auf und untersucht die Rolle der Übersetzungen in asymmetrischen Machtverhältnissen zwischen Kulturen.

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4. Die Anfänge der Rezeption ungarischer Literatur im deutschen Sprachraum

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In diesem Kapitel wird anhand interdisziplinärer Forschungsergebnisse (Hunga- rologie, Germanistik, Komparatistik) die Rezeption der ungarischen Literatur im deutschen Sprachraum skizziert und ihre Vermittler vorgestellt. Dabei werden nicht nur die deutschsprachigen Kulturräume westlich der Leitha betrachtet, sondern auch jene Transleithaniens. 4.1 Einführende Anthologien Ein kritisches Bild von der Existenz bzw. Nichtexistenz der ungarischen Litera- tur beschreibt 1708 der Braunschweiger Gelehrte Jacob Friedrich Reimman in seinem umfassenden Werk über die Weltliteratur: Wer kann mir de Scriptis et Scriptoribus Hungaricis eine Nachricht geben? Ich weiß niemand/ den ich dir hierzu recommendiren könnte; ich glaube auch nicht/ daß ie- mahls einer von dieser materie was geschrieben habe/ oder auch was sonderliches habe schreiben können. Denn die Ungarn haben iederzeit ein solches naturell ge- habt/ daß sie mehr auf ein gewandtes Pferd/ und einen blanken Sebel/ als auf ein cu- rieuses Buch gehalten. (Reimman 1708:435, zitiert nach Lossau 1996:122) Sowohl die in Ungarn als auch die im deutschsprachigen Ausland lebenden un- garischen Literaturhistoriker versuchten im 18. Jahrhundert gegen dieses von Reimman formulierte Ungarnbild einen wissenschaftlichen Beweis zu führen (vgl. Lossau 1996:123ff.) und zu zeigen, dass in Ungarn ein nicht zu unterschät- zendes literarisches Leben existiert. Die literarische Präsenz Ungarns auf der Bühne der Weltliteratur wird am Anfang des 19. Jahrhunderts durch Lyrikanthologien und Märchensammlungen eingeleitet. Ein deutschsprachiger Sammelband Mährchen der Magyaren von Georg von Gaal erschien 1822 in Wien. In der Lyrikanthologie Magyarische Gedichte des Grafen Johann Mailáths (1825) wird...

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