Show Less

Jüdische Erinnerungsdiskurse in der frankophonen Migrationsliteratur Quebecs

Series:

Yvonne Völkl

Die Studie erforscht die narrativen Verfahren zur Darstellung der Inhalte und Funktionsweisen von Erinnerung und Gedächtnis in den Werken jüdischer
Migrationsautoren innerhalb der Quebecer écritures migrantes. Das Textkorpus umfasst Romane von bereits kanonisierten Schriftstellern – Monique Bosco, Naïm Kattan, Régine Robin – sowie von weniger bekannten Autoren – Pierre Lasry, Victor Teboul, Marc-Alain Wolf. Auf der Grundlage von kultur- und
literaturwissenschaftlichen Gedächtniskonzepten wird dargelegt, welche Gedächtnisinhalte wiederholt zur Sprache kommen, wann Erinnerungsprozesse zum Vorschein treten und wie diese mit rezeptionsästhetischen Mitteln umgesetzt werden. Überdies wird auf die Rolle der franko-jüdischen Migrationsliteratur innerhalb der Quebecer Erinnerungskulturen eingegangen.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

2 Gedächtnistheoretische Ansätze

Extract

Innerhalb der Kulturwissenschaften entwickelt sich das Forschungsfeld rund um die Memoria-Theorien seit den 1980er Jahren. Im letzten Jahrzehnt des 20. Jhs. ist das Interesse an der Erinnerungsforschung sogar enorm groß. Für den deut- schen Ägyptologen, Religions- und Kulturwissenschaftler Jan Assmann ist dies auf drei Faktoren zurückzuführen: Erstens auf die Möglichkeit, Wissen extern auf elektronische Medien zu speichern, denn für Assmann stellt die Schaffung eines sogenannten künstlichen Gedächtnisses, so wie die Innovation des Buch- drucks, eine ‚kulturelle Revolution‘ für die Menschheit dar. Zweitens entstünde in Verbindung mit diesem externen Gedächtnis eine „[…] Haltung der ‚Nach- Kultur‘ […], in der etwas Zu-Ende-Gekommenes […] allenfalls als Gegenstand der Erinnerung und kommentierender Aufarbeitung weiterlebt“ (Assmann, J. 2005: 11). Letztlich betrachtet Assmann das Ende der Generation von Zeitzeu- gen des Zweiten Weltkrieges als wesentlichen Faktor für den Aufschwung des Gedächtnisthemas, da das Wissen um den Krieg aus der lebendigen Erinnerung verschwindet und nun auf andere Weise nach seinem Fortbestand strebt. Da die vorliegende Arbeit der Frage nachgeht, welche individuellen und kollektiven Gedächtnisinhalte die franko-jüdische Migrationsliteratur Quebecs aufweist und wie Erinnern bzw. Vergessen in den ausgewählten Romanen narra- tiv umgesetzt wird, werden im Folgenden einzelne, relevante theoretische Gedächtnisansätze aus den Kultur- und Literaturwissenschaften vorgestellt. Nachstehend werden Entstehung und Zusammenhang von individuellen und kol- lektiven Gedächtnissen sowie die Begriffe des kommunikativen und kulturellen Gedächtnisses erläutert. Ferner werden unterschiedliche Möglichkeiten aufge- zeigt, wie sich Erinnerungs- bzw. Vergessensprozesse im Text manifestieren...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.